Auf einen Blick: Eine parlamentarische Anfragebeantwortung offenbart einen massiven Datenschwund durch die Systemumstellung 2025 und eine systematische Verweigerung von Details aus angeblichen Sicherheitsgründen. Während die Leasingkosten für den Wiener Polizeifuhrpark explodieren und der Bestand bei rund 980 Fahrzeugen stagniert, bleiben konkrete Aufschlüsselungen vor 2023 im bürokratischen Nebel. Die beigelegte Fahrzeugliste ab 2023 liefert erstmals Marken- und Modelldetails – und zeigt die massive Dominanz von VW/Škoda sowie den kontinuierlichen Austausch über Operating-Leasing.
Bürokratisches Blackout: Die Anfrage von Abgeordnetem Reinhold Maier (FPÖ) zielte auf lückenlose Offenlegung des Fuhrparks der LPD Wien seit 2020: Bestände, Anschaffungen, Ausmusterungen, Kosten und strategische Überlegungen. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) antwortete am 28. Juli 2026 mit dem Hinweis auf die Umstellung vom alten System „AG-Ausstattung“ auf „eAVS“ im Jahr 2025.
Detaillierte Fahrzeugdaten: Marke, Modell und Motorisierung konnten nur ab 2023 migriert werden. Für 2020–2022 gibt es lediglich Gesamtzahlen. Das BMI räumt ein, dass nur eingeschränkte Antworten möglich sind. Gleichzeitig wird bei Sonderfahrzeugen und verdeckten Einheiten pauschal ein „überwiegendes Geheimhaltungsinteresse“ geltend gemacht – auch bei Fragen nach dem Zweck von Anschaffungen.
Gesamtbestand LPD Wien:
- 2020: 929
- 2021: 938
- 2022: 964
- 2023: 978
- 2024: 975
- 2025: 961
- 2026 (Stand: 1. Quartal): 982
Zwischen den Zeilen: Die beigelegte Aufstellung weist für die Jahre 2023–2026 leicht höhere Summen aus. Die Differenz erklärt sich vermutlich durch zeitliche Überschneidungen bei An- und Abmeldungen sowie unterschiedliche Zählweisen im eAVS und Zulassungsregister.
Die Fahrzeugliste ab 2023 – was wirklich da ist: Die Beilage liefert erstmals Details. Dominanz klar erkennbar:
- VW stellt den Löwenanteil (2023: 712, 2024: 728, 2025: 651, 2026: 631). Schwerpunkte: Touran (verschiedene Varianten, teils über 100 Stück), Transporter/Kombi, Crafter, Golf, Passat, ID.-Modelle und Amarok.
- Škoda folgt mit 87–88 Fahrzeugen 2023/24, dann Rückgang auf 77/76 (Kodiaq, Octavia Combi 4×4, Superb 4×4).
- BMW (Motorräder und Pkw) um 41–46.
- Audi um 30–38.
- Weitere: Mazda, Volvo, Ford, Mercedes/Mercedes-Benz, Hyundai, Honda (Motorräder), MAN, SEAT/CUPRA, Renault u. a.
Auffälligkeiten:
- Viele Modelle laufen parallel in leicht abweichenden Bezeichnungen (z. B. mehrere Touran- und Transporter-Varianten).
- Einzelne Exoten und Sonderfahrzeuge (Achleitner HMV Survivor, PMV Survivor II, Thyssen TM 170, Ulbrichts Hoplit) erscheinen nur in geringer Stückzahl.
- Bei Sonder- und Hochrisikofahrzeugen sowie verdeckten Einheiten wird systematisch Geheimhaltung geltend gemacht. Auch der konkrete Zweck vieler Anschaffungen bleibt unklar.
Kostenexplosion bei Operating-Leasing:
- Der überwiegende Teil des Fuhrparks läuft über Operating-Leasing (Rahmenvertrag BBG mit Porsche Bank).
- Enthalten sind Anschaffung, Blaulichtumbau, Funkeinbau, Folierung, Wartung und Reifenmanagement.
- Monatliche Raten decken alles ab: Detaillierte Aufschlüsselungen nach Typ/Marke werden laut BMI „nicht geführt“.
Leasingkosten LPD Wien (in Millionen Euro):
- 2020: 4,189
- 2021: 4,479
- 2022: 4,900
- 2023: 5,167
- 2024: 6,077
- 2025: 6,603
Wartungskosten steigen parallel:
- 2020: 1,221 → 2025: 1,566 Millionen Euro.
- Zusätzliche Vertragsgebühren, Schadensabwicklung und Gegenverrechnungen belaufen sich laut BMI auf ca. 10 % der Leasingkosten.
Gesamtkostenübersicht: Kostenentwicklung Leasing + Kauf (in Millieonen Euro:
- 2020: 5,410 + 0,799 = 6,209
- 2021: 5,670 + 0,199 = 5,869
- 2022: 6,131 + 0,934 = 7,065
- 2023: 6,416 + 0,367 = 6,783
- 2024: 7,486 + 1,991 = 9,477
- 2025: 8,169 + 0,076 = 8,245
- Gesamtsumme 2020–2025: 43,648 Millionen Euro
Logistik und Strategie:
- Fahrzeuge werden im Operating-Leasing durchschnittlich nach 48 Monaten getauscht (Bandbreite 24–84 Monate je nach Einsatzzweck und Laufleistung).
- Ziel: Die permanente Einsatzbereitschaft und die Vermeidung einer Überalterung von Fahrzeugen. Sonderfahrzeuge und Motorräder im Eigentum bleiben länger und dienen teilweise der Ausbildung oder als Ersatzteilespender.
- Veräußerungen über das Dorotheum sind gering (2020–2025: 9 / 6 / 3 / 0 / 3 / 4).
Warum das wichtig ist: Die Systemumstellung 2025 hat die Nachvollziehbarkeit der Steuergeldverwendung für die Jahre 2020–2022 faktisch ausgehebelt. Gleichzeitig steigen die laufenden Kosten steil, während der Gesamtbestand seit 2023 weitgehend stagniert.
Transparenz endet dort, wo das BMI die Sicherheitskarte zieht, um kritische Nachfragen zum Ressourceneinsatz abzuwürgen.
Frank sagt:
Quelle: Fahrzeugbestand, Anschaffungen und Ausmusterungen im Bereich des Bundesministeriums für Inneres seit 2020 – Wien – 5592/AB (XXVIII. GP)


