Worum es geht: Die EU-Exekutivagentur für Bildung und Kultur hat den Fördervertrag mit der Biennale von Venedig mit sofortiger Wirkung gekündigt. Die Kommission stützt den Schritt auf ein „schwerwiegendes berufliches Fehlverhalten“ und Verstöße gegen Artikel 14.2 der Finanzhilfevereinbarung. Hintergrund ist die Wiedereröffnung des russischen Pavillons, die nach Ansicht Brüssels gegen die EU-Sanktionen im Kontext des Ukraine-Krieges verstößt.
Widerspruch: Während die Kommission bei Russland hart durchgreift, bleibt das Engagement mit anderen autokratischen Staaten unangetastet. Brüssel verteidigt die Kündigung der 2 Millionen Euro damit, dass die EU-Außenpolitik durch den Schutz demokratischer Werte und des Völkerrechts geleitet werde. Russland müsse jedoch „gesondert bewertet“ werden, weil gegen das Land aufgrund der Invasion beispiellose Sanktionen verhängt wurden.
EU-finanzierte Kultur sollte demokratische Werte fördern und schützen.
Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin der EU-Kommission
Zwischen den Zeilen: Die Kommission weist den Vorwurf zurück, dass wirtschaftliche Interessen die moralische Bewertung beeinflussen. Laut der Antwort von Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen stellen Gasexporte eines Drittlandes in die EU „kein Kriterium für die Bewertung der Achtung demokratischer Werte“ dar. Die Zusammenarbeit mit Aserbaidschan erfolge stattdessen im Rahmen eines spezifischen Partnerschaftsabkommens, das auch Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte umfasse.
Wer sagt was: Der fraktionslose Abgeordnete Martin Sonneborn kritisierte in seiner Anfrage vom 14. Juli 2026 die „selektive Anwendung demokratischer Kriterien“. Er verwies auf die massive Diskrepanz bei der Bewertung der Teilnehmerstaaten.
- Demokratie-Ranking: Aserbaidschan erreicht im „Freedom in the World 2026“-Bericht nur 6 von 100 Punkten und liegt damit hinter Russland (12/100).
- Pressefreiheit: Das Land belegt im Index von Reporter ohne Grenzen Platz 171 von 180, wobei aktuell mindestens 30 Journalisten inhaftiert sind.
- Clan-Strukturen: Der aserbaidschanische Pavillon wird von der Heydər-Əliyev-Stiftung geleitet, deren Vorsitzende die Ehefrau des Präsidenten und gleichzeitig Erste Vizepräsidentin des Landes ist.
Unterm Strich: Die Kündigung trifft die Biennale wegen Russland. Dieselbe Messe trägt weiter den Pavillon einer Stiftung, die an der Staatsspitze Aserbaidschans hängt. Brüssel nennt das Sanktionsrecht, nicht Doppelmoral.
Wenn das Gas fließt, drückt Brüssel bei der Demokratie gerne beide Augen zu.
Frank sagt:
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