Auf einen Blick: Das Projekt in einer koptischen Höhlenkirche endete nach einem handfesten Publikumseklat vorzeitig. Trotzdem flossen 4.607,80 Euro Steuergeld. Der Kernkonflikt bleibt ungelöst: Staatlich finanzierte Provokation in einem hochsensiblen Sakralraum – und die anschließende behördliche Reinwaschung.
Am Punkt: In der Beantwortung der parlamentarischen Anfrage „Fördermittel für Publikumseklat bei Vorstellung des Kulturforums Kairo“ (5715/AB) rechtfertigt Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) gegenüber FPÖ-Abgeordnetem Wendelin Mölzer eine Performance, die in Ägypten für landesweite Irritationen sorgte.
Was passiert ist: Im Mai 2026 präsentierte die österreichische Künstlerin Crystn Hunt Akron im Kloster des Heiligen Simon in Manschiyyet Nasser (der sogenannten „Müllstadt“ Kairos) ihr Projekt „Plasticphonia“.
- Die Idee: Musik aus recycelten Plastikinstrumenten, gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Viertel. Die Location: eine der größten und heiligsten koptischen Höhlenkirchen des Nahen Ostens – ein Ort, an dem Tausende Gläubige beten und pilgern.
- Was als interkulturelles Jugendprojekt begann, kippte. Harte Bässe, schnelle elektronische Beats und eine DJ-Performance mit Lichtshow drangen durch den Sakralraum. Videos, die viral gingen, zeigen eine Tänzerin hinter dem DJ-Pult in unmittelbarer Nähe des Altars.
- Der Jugendbischof Anba Moussa zog die Konsequenz: Er ließ den Strom abschalten und beendete die Veranstaltung abrupt. Die Künstlerin und das Kulturforum entschuldigten sich nachträglich.
Die Rechtfertigung aus dem Ministerium
Die andere Sicht: Mölzer wollte wissen, nach welchen Kriterien solche Projekte ausgewählt werden, wer die Eignung des Ortes geprüft hat und ob es Konsequenzen gab. Die Antwort fällt im üblichen Beamten-Jargon aus:
Die Veranstaltung sei im Vorfeld mit Vertretern der koptischen Kirche abgestimmt gewesen. Eine interne Prüfung habe „kein Fehlverhalten“ des Kulturforums festgestellt. Diplomatisch sei die Sache bereinigt. Personelle Konsequenzen gebe es keine. Die Auswahlmechanismen seien korrekt. Compliance-Fragen werden mit dem Verweis auf „interne Vorgaben“ und „Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten“ abgebügelt.
Die Zahlen auf einen Blick:
- 4.607,80 Euro: Gesamtkosten des Projekts (Honorar und Flug der Künstlerin), finanziert über das Programmbudget des Kulturforums Kairo.
- 3.002,89 Euro: Zusätzliche Förderung für ein Vorgängerprojekt derselben Künstlerin 2025 in Alexandria.
Systemischer Selbstschutz statt Fehlerkultur
Das bekannte Muster: Sobald Steuergeld in einen peinlichen Vorfall verwickelt ist, schaltet der Apparat auf Abwehr. „Abgestimmt“ und „kein Fehlverhalten“, obwohl der Abend mit Stromabschaltung und öffentlichem Eklat endete. Die Behauptung einer vorherigen Abstimmung mit der Kirche steht in krassem Widerspruch zum tatsächlichen Verlauf. Fragen nach konkreten Änderungen der Richtlinien für sensible Orte bleiben unbeantwortet.
Das Kulturforum Kairo und das Ministerium behandeln den Vorfall wie einen bedauerlichen Betriebsunfall, der erledigt ist. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, ob man in einem der wichtigsten koptischen Sakralräume einfach elektronische Beats und Lichtshows aufführen sollte, findet nicht statt.
Warum das wichtig ist: Wenn staatlich finanzierte Kulturprojekte im Ausland religiöse Gefühle verletzen, diplomatische Spannungen erzeugen und anschließend mit dem Vermerk „alles korrekt“ abgehakt werden, wird Steuergeld zum diplomatischen Brandbeschleuniger. Die Botschaft an die Verantwortlichen lautet: Solange man formell „abgestimmt“ hat und intern prüft, bleibt man ungeschoren – egal wie der Abend endet.
Sakraler Eklat auf Staatskosten und für das Ministerium alles bestens. Kein Fehlverhalten, keine Konsequenzen, Zeit für die nächste Förderung.
Frank sagt:

