In drei Sätzen: Der ORF-Stiftungsrat hat Ingrid Thurnher am Donnerstag zur Generaldirektorin bis Ende 2026 gewählt. Damit soll die Führungskrise nach dem Rücktritt von Roland Weißmann im März vorläufig enden. Doch der öffentlich-rechtliche Sender bleibt ein Scherbenhaufen aus Belästigungsvorwürfen, politischem Proporz und fehlender Aufarbeitung.
Der Auslöser: Der ehemalige Generaldirektor Roland Weißmann trat im März 2026 nach schweren Vorwürfen sexueller Belästigung zurück. Eine Mitarbeiterin legte dem Stiftungsrat belastendes Material vor. Nun wurde Thurnher als Interimslösung bestätigt, während weitere Skandale um Stiftungsräte und Nebengeschäfte hochkochen.
Wer sagt was:
- „Es reicht“, tobte die FPÖ angesichts der anhaltenden Skandale. Stiftungsrat Peter Westenthaler forderte „eine Reihe von Kündigungen“.
- Thurnher selbst räumte ein, dass „wir noch nicht durch diese Krise“ sind.
Das Sittenbild: Der Stiftungsrat, der selbst unter Druck steht wegen politischer Einflussnahme und eigener Vorwürfe, wählt eigene Generaldirektorin.
Das große Ganze: Der Skandal legt jahrelange Politproporz-Probleme offen, bei denen ÖVP und SPÖ den Sender über den Stiftungsrat steuern.
- Neue Vorwürfe gegen einzelne Stiftungsräte wie Thomas Prantner sorgen für weiteren Druck.
Zwischen den Zeilen:
- Eine Mitarbeiterin warf Weißmann jahrelange sexuelle Belästigung vor und lieferte Chat-Protokolle sowie weitere Belege.
- Weißmann bestreitet die Vorwürfe und fordert bis zu vier Millionen Euro Abfindung ein.
- Der Stiftungsrat selbst steht wegen Nebengeschäften und unklarer Compliance-Berichte in der Kritik.
- FPÖ und andere fordern tiefgreifende Reformen und Kündigungen in der Führungsebene.
- Trotz Wahl von Thurnher bleibt die grundlegende Struktur des politisch dominierten Aufsichtsgremiums unverändert.
Follow the money: Der ORF verfügt über ein jährliches Budget von mehreren hundert Millionen Euro aus Gebühren und Werbung. Hohe Traumgagen, Millionen für Eigenwerbung und fragwürdige Nebengeschäfte von Stiftungsräten belasten das System zusätzlich.
Die andere Sicht: Weißmann und seine Unterstützer sprechen von „politischem Druck“ und einer überstürzten Entscheidung des Stiftungsrats. Sie betonen, es habe sich um eine einvernehmliche Beziehung gehandelt.
Warum das wichtig ist: Statt unabhängiger Qualitätsjournalismus zu sein, ist der ORF längst zum politischen Spielball verkommen. Den Scherbenhaufen, den diese Entwicklung hinterlässt, darf am Ende wieder der Gebührenzahler zusammenkehren.
Quellen:


