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KommentarPolitik

Die Ott Verschwörung

Der Prozess gegen Egisto Ott erschüttert Österreichs Politik nachhaltig.

Alexander Surowiec - Alois Endl - Runway FoB AI
Alexander Surowiec - Alois Endl - Runway FoB AI
Alexander Surowiec
22. Januar 2026
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4 Min Read

Heute beginnt am Wiener Landesgericht für Strafsachen der Prozess gegen Egisto Ott. Es ist der wohl größte und bizarrste Spionagefall der Zweiten Republik. Die kommenden 45 Kalendertage werden zur Belastungsprobe für das gesamte politische System Österreichs. Wir stehen vor einem Geschworenenprozess mit über 100 Einzelvorwürfen. Das weltweite Medieninteresse ist ein klarer Indikator für die enorme Sprengkraft dieses Verfahrens. Und eines sei an dieser Stelle festgehalten: Es gilt die Unschuldsvermutung für alle Genannten.

Der Auslöser: Wir bezeichnen diesen Fall als die Ott Verschwörung. In den kommenden Wochen werden wir die offiziellen Narrative der Ermittler systematisch zertrümmern. Es geht um die erbarmungslose Offenlegung aller Unstimmigkeiten in diesem Akt. Unsere Recherche belegt fatale Fehler der Ermittler bis hin zu gezielten Ermittlungskonstruktionen.

Zeit für Nakam: Und ja, wir wissen, dass es auch illegale Mittel und Methoden gab. Gegen mich persönlich wurde illegal ein IMSI-Catcher eingesetzt. Es gab für diesen Einsatz keinen richterlichen Beschluss. Wir werden uns auch mit der Einflussnahme auf Rechtsanwälte befassen. Die Frage, ob Egisto Ott schuldig oder nicht schuldig ist, klären weder ich noch meine Redaktion. Was wir tun werden, ist etwas anderes: Wir nehmen die perfiden Spins, Einflüsterungen und Drahtzieher Tag für Tag auseinander.

Zwischen den Zeilen: Um dieser gewaltigen Flut an Daten überhaupt gerecht zu werden, haben wir ein eigenes Redaktionstool entwickelt. Das Tool trägt den Namen „Be Frank“. Nur so lässt sich das Ausmaß dieses Aktes überhaupt erfassen. Wir sprechen hier von weit mehr als 54.000 Seiten. Das entspricht einem Zeitaufwand von 108.000 Minuten. Wer acht Stunden am Tag netto arbeitet, benötigt 225 reine Arbeitstage nur für das Lesen des Aktes. Rechnet man nur Werktage ein, ergibt das stolze 45 Wochen reine Lesezeit.

Komplexer Fall: Egisto Ott wird in diesem Prozess von einem neuen Anwaltsteam vertreten. Der Wechsel der Verteidigung erfolgte kurz vor Weihnachten. Michael Ofner und Anna Mair sind die Strafrechtsanwälte für diesen heißesten Fall der Republik. Es geht dabei um weit mehr als nur Spionage. Die Themen reichen vom Konvolut-Akt bis zum „Foltergeneral“ (Operation White Milk). Auch der BVT-Untersuchungsausschuss und der Fall Nowitschok werden wir aufgreifen. Das Verfahren zum Nowitschok-Knaller gegen Egisto Ott wurde bereits eingestellt.

Verhandlungstage stehen fest: Die Sitzungen finden jeweils von 09:00 Uhr bis 15:30 Uhr statt.

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Die Aktenzahlen: Die formale Hülle bilden kryptische Aktenzahlen. Die Staatsanwaltschaft führt das Verfahren unter 711 St 5/25s. Das Gericht nutzt die Aktenzahl 046 601 HV 4/25 m. Der Ursprung liegt im Stammakt 711 St 39/17d. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein bürokratisches Spy Game auf einem blutigen Schachbrett. Der Ott Prozess ist die finale Abrechnung zwischen den verfeindeten Lagern des ehemaligen BVT. Heute agiert diese Behörde unter dem Namen DSN. Und ja, es gibt viele offene Rechnungen.

Wer sagt was: Prominente Namen säumen den Weg zum Urteil. Wolfgang Zöhrer soll als ehemaliger stellvertretender BVT-Direktor aussagen. Peter Gridling erscheint in seiner Rolle als ehemaliger Leiter der Behörde. Der investigative Journalist Christo Grozev ist ebenfalls geladen. Aber auch the Black Empire steht auf der Liste: Michael Kloibmüller einst Kabinettchef unter Wolfgang Sobotka, soll als Opfer und Zeuge aussagen. Aber auch Bundespolizeidirektor Michael Takacs. Er war Kabinettschef-Stellvertreter von Gerhard Karner, dem jetzigen Innenminister. Und ja, auch Alexander Surowiec steht auf der Zeugenliste. Sollte der Leser den Namen nicht kennen, das bin ich.

Was bleibt über: Wien wird in diesen Wochen zum Epizentrum eines realen Thrillers. Die Bourne-Verschwörung und die Serie Blacklist verblassen gegen die Realität in diesem Gerichtssaal. Es geht um die nackte Wahrheit und um eine fundamentale Frage der Ehre.

Warum das wichtig ist: Warum bin ich mir so sicher, dass die offiziellen Ermittlungsergebnisse nicht der Realität entsprechen? Die Antwort auf die Frage nach meiner unumstößlichen Gewissheit ist simpel. Ich war bei der ersten Festnahme von Egisto Ott anwesend. Ich habe diesen Einsatz in jeder Sekunde live miterlebt. Die Realität dieses Zugriffs weicht massiv von den polizeilichen Protokollen im Akt ab. Auch die Aussagen der Beamten vor Gericht widersprechen den tatsächlichen Ereignissen.

Denn ich bin der Ohrzeuge.

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