In drei Sätzen: Ein neues Umfrage-Desaster erschüttert die Volkspartei: Mitten in der aktuellen Interview-Offensive von Kanzler Christian Stocker rasselt die ÖVP in der neuesten Umfrage der Lazarsfeld Gesellschaft für oe24 (2.000 Befragte vom 23. bis 31. 3., max. Schwankung 2,2 %) auf nur noch 18 Prozent und liegt damit nun auf dem dritten Platz, also knapp hinter der ebenso mit massiven Problemen kämpfenden SPÖ (19 Prozent). Unter ÖVP-Chef Sebastian Kurz kam die ÖVP noch vor sechs Jahren auf 48 Prozent – die Kanzler-Nachfolger Schallenberg, Nehammer und Stocker schafften in kürzester Zeit einen Verlust von 30 Prozentpunkten.
Der Auslöser: Die Vertrauenskrise weitet sich aus – die Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und NEOS kommen aktuell gemeinsam auf nur noch 45 Prozent, die FPÖ bleibt mit 36 Prozent stabil an der Spitze. Die Mini-Maßnahmen bei der Senkung der Mehrwertsteuer auf einige vegane Produkte oder die viel zu gering ausfallende Spritpreisbremse ändern nichts am schlechten Image der Dreierkoalition bei vielen Österreichern. Und auch die ständigen Wünsche des Finanzministers nach neuen Steuern im Hochsteuerland Österreich kommen nicht gut an.
Wer sagt was:
- Die Analyse der Lazarsfeld Gesellschaft in oe24: „Schlechte Stimmung, die Angst vor einer Eskalation und die wirtschaftliche Unsicherheit, die dadurch entstehen, spielen der FPÖ voll in die Karten. Kickl stilisiert sich erfolgreich als derjenige, der „unser Geld für unsere Leut'“ fordert, während die Welt rundherum aus den Fugen gerät. Je düsterer die globale Lage, desto heller scheint die blaue Sonne über Österreich.“
- Christian Stocker (Bundeskanzler, ÖVP) im aktuellen oe24-Interview: „Wir haben in der Bundesregierung immer ambitionierte Ziele. Es hat uns vor einem Jahr niemand geglaubt, dass wir das Doppelbudget zustande bringen. Wir haben bewiesen, dass wir das, was wir sagen, auch tatsächlich tun und dass dort, wo wir Verantwortung tragen, die Ergebnisse stimmen. Es ist für Österreich wichtig, dass es eine Bundesregierung gibt, die stabil, berechenbar und verlässlich ist.“
Das Sittenbild: Während ÖVP-Chef Stocker davon spricht, dass „die Ergebnisse stimmen“, sehen die Autofahrer an jeder Tankstelle die Realität – einen Diesel-Preis über 2,20 Euro, eine Kostenexplosion von 70 Cent in nur wenigen Wochen. Gleichzeitig lässt der Kanzler den Finanzminister neue Steuern ankündigen, auch wenn er sich dagegen ausspricht. Allein die ständige Erwähnung neuer Steuern schadet dem Wirtschaftsstandort Österreich massiv. Trotz eines Absturzes der Volkspartei von 48 Prozent (18.4.2020) auf nun 18 Prozent ist nichts von Selbstkritik zu hören.
Das große Ganze: Zentrales Problem ist die Spritpreiskrise.
- Seit dem Herbst 2025 stiegen Dieselpreise teilweise um 70 Cent innerhalb weniger Wochen und kratzten oder überschritten zeitweise die 2-Euro-Marke (bis über 2,20 Euro in Spitzen), was auf globale Entwicklungen (u. a. Iran-Konflikt) und die Abhängigkeit von westlichen Gaslieferungen nach dem Stopp russischer Lieferungen zurückgeht. D
- Die Gasspeicher waren zwar zeitweise gut gefüllt, doch die Regierung lehnte Gespräche über eine Wiederaufnahme von russischen Treibstoff und Gaslieferungen ab, was die Versorgungsunsicherheit verstärkte und der FPÖ Auftrieb gab.
Warum das wichtig ist: Die ÖVP und die SPÖ versperren trotz extrem schlechter Umfragewerte weiterhin den Weg zu Neuwahlen und zu einer längst nötigen Richtungsänderung der politischen Führung in Österreich. Nun rollt eine gewaltige Energie-Krise auf ganz Europa zu. Die Dreierkoalition hat in dieser gefährlichen Situation fast leere Gasspeicher und will weiterhin nicht mit anderen Energie-Lieferanten wie Russland über die Wiederaufnahme von Treibstoff- und Gaslieferungen sprechen.
Quelle: oe24
