In drei Zeilen: Diese Woche im Parlament: SPÖ-Finanzminister Markus Marterbauer drückt die MwSt auf ausgewählte Grundnahrungsmittel ab 1. Juli von 10 auf 4,9 Prozent. Der Durchschnittshaushalt soll damit rund 100 Euro im Jahr sparen. Der Staat verzichtet dafür auf 400 Millionen Euro jährliche Einnahmen.
Der Auslöser: Die Lebensmittelpreise steigen weiter. 2025 lag die Inflation bei 3,6 Prozent, der Mini-Warenkorb kletterte im März 2026 um 4,5 Prozent. Die Koalition packt die altbewährte Methode aus: Steuersenkung als Show. Das Vorhaben gilt dauerhaft und passierte gerade den Finanzausschuss.
Wer sagt was: „Die Senkung der Umsatzsteuer auf Lebensmittel stellt dabei ein geeignetes Instrument dar, um die unmittelbare finanzielle Belastung der Haushalte zu reduzieren“, schreibt Marterbauer (SPÖ) im Ministerratsvortrag. Die Erläuterungen betonen: Nur reine Grundnahrungsmittel nach Kombinierter Nomenklatur.
Das Sittenbild: Sobald etwas kombiniert wird – Wurstsemmel, Kakaogetränk, fertiges Müsli – bleibt es beim vollen Satz von 10 Prozent. Die Kassen müssen den neuen „Betrag-Satz-Besonders“ einprogrammieren. Supermärkte rechnen um, der Bürger merkt kaum etwas.
Schizophrenie in Zahlen:
- Fakt: 100 Euro Ersparnis pro Haushalt und Jahr stehen 400 Millionen Euro Mindereinnahmen jährlich ab 2027 gegenüber. Bis 2030 summiert sich das auf 1,7 Milliarden.
- Analyse: Der Staat verzichtet auf echtes Geld, der Einzelne bekommt Cent-Beträge.
- Warum wichtig: Klassische Umverteilung von allen zu wenigen – mit maximalem Verwaltungsaufwand.
Das große Ganze: Betroffen: Milch, Joghurt, Butter, Eier, frisches und gefrorenes Gemüse, Obst, Reis, Weizenmehl, Nudeln, Brot, Salz. Ernährung macht bereits 11,6 Prozent der Haushaltsausgaben aus. Gastronomie bleibt außen vor.
Zwischen den Zeilen:
- Die Senkung gilt nur für Lieferungen, die ausschließlich begünstigte Waren enthalten.
- Verpackung ja, Mischprodukt nein.
- IT-Anpassungen bei Kassen kosten zusätzlich.
- Gegenfinanzierung? Noch in Ausarbeitung – Paketabgabe von 2 Euro pro Sendung wird angedacht.
Follow the money: 2026 fallen 135 Millionen Euro weg, ab 2027 volle 400 Millionen pro Jahr. Bund, Länder und Gemeinden teilen den Verlust. Die Paketabgabe soll teilweise gegensteuern, wirkt aber selbst leicht inflationssteigernd.
Die andere Sicht: Marterbauer nennt es verteilungspolitisch wichtig und Teil des Kampfes gegen die Teuerung. Die Regierung verweist auf den Sanierungspfad und das EU-Defizitverfahren.
Warum das wichtig ist: Der Staat gibt 400 Millionen Steuergeld pro Jahr her für eine Maßnahme, die dem Normalbürger lächerliche 100 Euro bringt. Marterbauer feiert das als großen Wurf. In Wirklichkeit ist es teure Symbolpolitik, die den Bürger mit Brotpreis-Cent abspeist, während die Bürokratie weiter frisst. Typisch.
Go deeper: Analyse: Steuersenkung entlastet kaum


