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Es droht das Unvorstellbare

Europa droht Versorgungsschock: Merz warnt vor Wirtschaftscrash.

Ursula von der Leyen - Martin Juen - Sepa Media - Runway FoB AI
Ursula von der Leyen - Martin Juen - Sepa Media - Runway FoB AI
Redaktion
Redaktion
5. April 2026
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4 Min Read

In drei Sätzen: Deutsche und europäische Politiker warnen vor einer schweren Energiekrise, die durch den Krieg in Iran und die Sperrung der Straße von Hormus ausgelöst wurde. Friedrich Merz verglich die drohenden wirtschaftlichen Folgen am Montag mit den Belastungen der Covid-Pandemie oder dem Beginn des Ukraine-Kriegs. In Brüssel und den Hauptstädten der EU wächst die Sorge, dass der Kontinent schon in wenigen Wochen mit massiven Versorgungsengpässen bei Öl, Gas und raffinierten Produkten kämpfen muss.

Öl-Straße von Hormus

Der Auslöser: Der aktuelle Anlass ist die fünfte Woche des Krieges in Iran. Iran hat die Straße von Hormuz für Tanker gesperrt, die ohne Erlaubnis Teherans passieren wollen. Dadurch sind rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gasströme blockiert. Europäische Politiker erkennen nun, dass die anfängliche Hoffnung auf geringe Auswirkungen nicht mehr haltbar ist.

Koalition sieht keine Krise

Wer sagt was:

  • „Ich lebe mit der Realität dieses Krieges und seinen Konsequenzen 24 Stunden am Tag“, sagte der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto der Zeitung La Repubblica.
  • „Ich bin gezwungen, Dinge zu wissen, die mich nicht schlafen lassen.“ Deutscher Kanzler Friedrich Merz erklärte, die wirtschaftliche Belastung könne „so schwer wie die werden, die wir kürzlich während der Covid-Pandemie oder zu Beginn des Ukraine-Kriegs erlebt haben“.
  • Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, warnte, die langfristigen Effekte seien „wahrscheinlich jenseits dessen, was wir uns im Moment vorstellen können“.

Das Sittenbild: Europa spürt bisher vor allem höhere Preise an der Zapfsäule und bei einzelnen Produkten wie neuen Spielkonsolen. Die Abhängigkeit von raffinierten Produkten aus der Golfregion bleibt hoch. Gleichzeitig lenken asiatische Länder flexible Lieferungen um, weil sie höhere Preise zahlen. Ohne schnelle Alternativen drohen Engpässe bei Diesel, Flugkraftstoff und Industriegütern.

Zwischen den Zeilen:

  • Elf nigerianische Tanker mit US-Flüssigerdgas wurden in den letzten Tagen von Europa nach Asien umgeleitet.
  • Das letzte Qatari-LNG-Schiff soll in Kürze in Europa eintreffen, danach folgt eine Leere.
  • Die EU bezieht über 40 Prozent ihrer raffinierten Ölprodukte wie Diesel und Kerosin aus der Golfregion.
  • Chemiekonzerne wie Covestro melden bereits spürbare Kostensteigerungen durch Logistikumleitungen und Rohstoffpreise.
  • Düngemittelhersteller warnen, dass Energie 60 bis 80 Prozent ihrer Betriebskosten ausmacht und globale Störungen schnell durchschlagen.

Follow the money:

  • Die Schließung der Straße von Hormuz betrifft 20 Prozent der globalen Öl- und Gasversorgung, ein Vielfaches der früheren Krisen wie dem OPEC-Embargo 1973.
  • Höhere Energiepreise treiben Inflationsrisiken und Zinskosten nach oben. Regierungen müssen teurere Schulden bedienen und könnten gezwungen sein, Ausgaben zu kürzen.
  • Die EU-Kommission rechnet mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums auf nur noch ein Prozent in diesem Jahr.
  • Langfristig könnten strukturell höhere Preise die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie dauerhaft belasten.

Die andere Sicht: Einige Analysten und ein anonymer LNG-Importeur weisen darauf hin, dass deutlich höhere Preise langfristig Investitionen in neue Produktion anregen könnten. Dadurch könnte sich das globale Angebot irgendwann wieder ausgleichen. Finanzmärkte wetten derzeit noch darauf, dass die Sperrung nur zwei bis drei Wochen andauert.

Warum das wichtig ist: Europa steht vor einer Energiekrise, die nicht nur Zapfsäulenpreise, sondern ganze Industriezweige und das tägliche Leben trifft. Die Politik greift schon zu Maßnahmen, die an die 1970er-Jahre erinnern – von Drive-free-Sundays bis möglichen Rationierungen. Am Ende zahlt wieder der Bürger die Rechnung, während die Verantwortlichen in Brüssel und den Hauptstädten weiter so tun, als hätten sie alles im Griff.

Quellen:

  • politico.eu
  • repubblica.it
  • politico.eu
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