Auf einen Blick: Das Bundeskanzleramt veranstaltet für ÖVP-Chef Christian Stocker eine steuerfinanzierte Sommertour mit handverlesenem Publikum, wie offizielle Dokumente schwarz auf weiß belegen. Das Kanzleramt verteidigt die Bürgerbeteiligung als demokratische Stärkung, während die Kosten für den Gesamtaufwand nicht einmal beziffert werden konnten. FoB berichtete bereits ausführlich: Stockers Demokratie-Simulation.
Stockers Kulisse aus Steuergeld
- 120.000 Euro fließen laut Anfragebeantwortung direkt in die Informationsinitiative und Print- sowie Außenwerbung der Sommertour.
- Dentsu Media Austria wickelt die Werbemaßnahmen über eine Bundesbeschaffungsagentur-Rahmenvereinbarung ab.
- Neun Termine in ganz Österreich sind von Juli bis August fix eingeplant, organisiert direkt vom Bundeskanzleramt statt von der ÖVP.
Der Daten-Striptease vorab
Wer den Bundeskanzler live erleben will, muss sich online bewerben und intime Details preisgeben. Alter, Geschlecht, Bildungsstand und die gesellschaftspolitische Einordnung werden akribisch abgefragt. Wer seine Akzeptanz für die Regierungspolitik nicht digital nachweist, fliegt durch das Raster der Kanzleraudienz.
Hajek als Gatekeeper
Peter Hajek und sein Meinungsforschungsinstitut erhalten die pseudonymisierten Daten der Bürger, um den repräsentativen Querschnitt zu modellieren.
- Politische Funktionen werden gezielt abgefragt, um eine Dominanz von „exponierten Personen“ zu verhindern.
- Ersatzlisten sorgen dafür, dass bei Absagen sofort linientreue Statisten nachrücken.
Keine Fragen auf dem Prüfstand
Dementi: Inhaltliche Filterungen oder Vorabprüfungen der Bürgerfragen bestreitet das Kanzleramt. Bei der Registrierung wird lediglich ein Themenfeld wie Teuerung oder Sicherheit angegeben. Echte Kontroversen sollen im sterilem Ambiente des gecasteten Publikums gar nicht erst entstehen.
Warum das wichtig ist: Wenn der Regierungschef staatliche Apparate für inszenierte Parteishows missbraucht, stirbt die echte Demokratie hinter verschlossenen Kulissen. Das Kanzleramt plant eine großangelegte Sommertour durch ganz Österreich und ist zum Stichtag nicht einmal in der Lage, die tatsächlichen Gesamtkosten dafür zu beziffern. Während Steuergelder für Werbung und Organisation fließen, bleibt finanzielle Transparenz für das Projekt völlig auf der Strecke.
Go deeper: Stockers Demokratie-Simulation. Der Kanzler geht auf Sommertour – das Publikum ist ausgesucht.
Wer braucht schon den echten Wählerzorn, wenn man sich die Statisten vom Meinungsforscher aussuchen lassen kann?
Frank sagt:

