In drei Sätzen: NABU-Direktor Semen Kryvonos sitzt in Kiew zwischen Regierungsdruck und Erwartungen an konsequente Ermittlungen. Am 13. April 2026 veröffentlichte der Kyiv Independent ein Interview mit ihm, in dem er den 100-Millionen-Dollar-Korruptionsfall bei Energoatom verteidigt und politische Einmischung zurückweist. Während westliche Skeptiker die Skandale nutzen, um Militärhilfe zu hinterfragen, fordern ukrainische Bürger weiterhin echte Rechenschaft.
Der Auslöser: Der aktuelle Anlass ist das ausführliche Interview von NABU-Chef Kryvonos mit dem Kyiv Independent. Darin thematisiert er den großen Energoatom-Fall, Vorwürfe gegen Yermak und Umerov sowie angebliche Erpressung von Abgeordneten durch NABU-Ermittlungen. Der Artikel erscheint genau einen Tag nach der Veröffentlichung des umfassenden FoB-Videos zu den SBU-Enthüllungen.
Wer sagt was:
- Kryvonos erklärt: „Erstens bringen wir alle Fälle zu Ende. Dort, wo ein Verbrechen vorliegt und ausreichend Beweise gesammelt wurden. Wir unterscheiden nicht nach dem Grad des Einflusses oder nach politischen Präferenzen.“
- Er ergänzte: „Es besteht der Verdacht, dass der Kopf der von Ihnen erwähnten kriminellen Organisation Einfluss auf den ehemaligen Verteidigungsminister hatte. Der Verteidigungsminister selbst hat diesen Status nicht direkt inne.“
- Zum Vorwurf politischer Einmischung sagte er: „Wir stehen außerhalb des politischen Prozesses. Wir tun unsere Arbeit.“
- Umerov wies die Vorwürfe zurück: „Jegliche Versuche, meine Arbeit im Verteidigungsministerium mit dem ‚Einfluss‘ bestimmter Personen in Verbindung zu bringen, sind unbegründet.“
Das Sittenbild: NABU deckt einen 100-Millionen-Dollar-Skandal bei Energoatom auf, der Minister und einen früheren Geschäftspartner des Präsidenten betrifft. Dennoch bleiben zentrale Figuren wie Andriy Yermak bisher ohne Anklage, obwohl Suchaktionen bei ihm stattfanden. Dies schafft Widersprüche zwischen öffentlicher Rhetorik der Unabhängigkeit und der Realität verzögerter oder ausbleibender Verfahren gegen Spitzenleute.
Das große Ganze: Der Energoatom-Fall gilt als größter Korruptionsskandal unter Präsident Zelensky. Audioaufnahmen und Berichte von Bihus.info deuten auf Geldflüsse in Luxusimmobilien für politisch Vernetzte hin.
Zwischen den Zeilen:
- Timur Mindich, zentrale Figur im Skandal und früherer Partner von Zelensky, floh ins Ausland. Ukraine fordert seine Auslieferung aus Israel.
- Etwa 50 Abgeordnete stehen bereits unter Anklage oder vor Gericht durch NABU-Fälle.
- Parlamentarier beklagen, dass Ermittlungen Reformen blockieren, und wollen bei EU-Vertretern gegen NABU intervenieren.
- Kryvonos betont, NABU sei weder von Brüssel noch von Washington abhängig und lehnt jede Einmischung in laufende Verfahren ab.
Follow the money: Im Zentrum steht ein Korruptionsschema über 100 Millionen Dollar bei der staatlichen Atomkraftmonopol Energoatom. Gelder sollen in hochwertige Immobilienentwicklungen für politisch verbundene Personen geflossen sein.
Die andere Sicht:
- Kritiker wie Daria Kaleniuk vom Anti-Corruption Action Center fragen: „Wenn da nichts gewesen wäre, hätte der Präsident ihn wahrscheinlich nicht entlassen. Warum gibt es also keine Fortsetzung?“
- Investigativjournalist Yuriy Nikolov meint zu Umerov: „Es gibt keine Grundlage für eine Anklage. Eine einzige Erwähnung in den Aufnahmen reicht definitiv nicht aus, um ein Verfahren zu eröffnen.“
Warum das wichtig ist: Während NABU-Chef Kryvonos die Unabhängigkeit seiner Behörde betont und beteuert, dass Ukraine „not corrupt“ sei, enthüllen FoB-Recherchen parallel ein systematisches Erpressungsnetzwerk beim SBU, bei dem Unternehmer bis zu 50 Prozent ihrer Gewinne abgeben mussten. Es erscheint mehr als seltsam, dass genau nach den FoB-Enthüllungen und einen Tag nach dem gesamten Video von FoB in der Kyiv Independent so ein Artikel erscheint. Wohl mal wieder ein Zufall.
Quellen:

