In drei Sätzen: Stocker, Babler und Meinl-Reisinger, aber auch Herbert Kickl und Leonore Gewessler haben noch ein Problem – ein großes: Die jungen Österreicher im Alter von 16 bis 25 Jahren vertrauen der Politik kaum noch. In der aktuellen Ö3-Jugendstudie gaben nur ein Prozent an, der Politik „sehr“ zu vertrauen, weitere 17 Prozent vertrauen ihr zumindest „ziemlich“. 82 Prozent der Befragten vertrauen der Politik aber „wenig“ oder „gar nicht“. Und auch den Medien vertrauen 65 Prozent „wenig“ oder „gar nicht“.
Der Auslöser: Die Leitung des Radiokanals Ö3 wollte in einer „großen Jugendstudie“ wissen, wie die 16- bis 25-jährigen Österreicher denken.
Erstes Problem: Die Sicherheitsschranken zur Teilnahme an dieser Erhebung waren derart gering, dass auch 57-jährige Österreicher daran teilnehmen konnten – was natürlich eine Verfälschung der Ergebnisse mit sich bringen könnte. Wer von den 13.000 Teilnehmern war nun wirklich 16 bis 25 Jahre alt?
Zweites Problem: Die Studie wurde von dem Meinungsforschungsunternehmen Foresight geliefert – Managing-Direktor ist dort Christoph Hofinger, der früher bei SORA war – ein leitender Ex-Mitarbeiter von SORA, das im Wahlforschungs-Skandal 2023 involviert war und keine Aufträge mehr von zwangsgebührenfinanzierten ORF erhalten sollte, macht eine Jugendstudie für einen ORF-Radiokanal. SORA war gleichzeitig Wahlforscher für den ORF und offenbar (potenzieller) Berater der SPÖ – sogar Vorschläge für Negativ-Kampagnen wurden geliefert.
Zwischen den Zeilen:
- Dass nur ein Prozent von 13.000 Befragten mit der Politik sehr zufrieden sei, ist nachvollziehbar.
- Die größten Sorgen bereiten laut Ö3-Studie finanzielle Sicherheit (40 %), leistbares Wohnen (31 %) und die Zuwanderung (24 %).
- Selbst für die Jungen ist Österreichs Neutralität extrem wichtig: 81 % sind für den Erhalt der Neutralität, für nur 19 % sei sie „ein Auslaufmodell“.
- 73 % der Befragten sehen bei der Zuwanderung „dringenden Handlungsbedarf“, 27 % bewerten die aktuelle Situation als ausreichend.
- Die allgemeine Situation weltweit mit Kriegen, Handelskonflikten, Klimawandel, etc. bereitet 59 % der jungen Österreicher Sorgen, nur 7 % beschäftigt das nicht wirklich.
Das Sittenbild: Nur drei Jahre nach einem gewaltigen Skandal um die erwiesene SPÖ-Nähe eines Wahlforschungs- und Meinungsforschungs-Instituts, das für den ORF arbeitete, ist einer der damaligen Hauptbeschuldigten wieder als Managing-Direktor des Foresight-Instuts für einen Radiokanal des Staatsfunks tätig. Dieses Faktum ist auch im Zusammenhang mit den aktuellen ORF-Skandalen wesentlich.
Das große Ganze: Das Vertrauen der jungen Österreicher in die Politik ist im Keller – und auch die Auftragsvergabe dieser Studie bestätigt, warum dies so ist. Der Ex-Manager eines SPÖ-nahen Meinungsforschungsinstituts, das bis 2023 Dutzende Aufträge vom ORF erhalten hat, ist nun bei jenem Unternehmen als Managing-Direktor beschäftigt, das aktuell die Ö3-Jugendstudie des ORF abgewickelt hat.
Warum das wichtig ist: Der ORF muss nach all den Skandalen bis hin zu Drogen-Vorwürfen komplett entpolitisiert und auf einen TV- und einen Radiokanal verkleinert werden.
Link:
Ö3-Jugendstudie
Foresight Meinungsforschung
