In drei Zeilen: In Österreichs Kinos herrscht gähnende Leere, sobald Andreas Babler über die Leinwand flimmert. Trotz einer massiven Förderung von 553.000 Euro Steuergeld lockte die Dokumentation „Wahlkampf“ in der Premierenwoche bundesweit lediglich 895 versprengte Seelen an. Während das Land spart, wird hier jede einzelne Kinokarte rechnerisch mit über 600 Euro subventioniert.
Der Auslöser: Der Dokumentarfilm „Wahlkampf“ von Harald Friedl begleitet den jetzigen Vizekanzler durch das Jahr 2024. Was als intimer Blick hinter die Kulissen vermarktet wird, entpuppt sich als teures Privatvergnügen für eine Handvoll Getreue. Während die SPÖ das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte einfuhr, darf der Steuerzahler nun die filmische Aufarbeitung dieses Scheiterns blechen.
Wer sagt was: „Die Filmförderung wird in Österreich von unabhängigen Jurys vergeben“, lässt Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) über sich selbst ausrichten. Er wäscht seine Hände in Unschuld und verweist darauf, dass die schwarz-grüne Vorgängerregierung den Geldhahn aufgedreht habe.
Das Sittenbild: Ein Kinobesuch als einsames Erlebnis. In einem Saal mit 66 Plätzen finden sich neben der Presse nur drei einsame Herren und ein Pärchen, das den Film vermutlich zur ungestörten Knutscherei nutzt. Das Online-Reservierungssystem zeigt für die Folgetage das gleiche Bild: totale Leere.
Versteckte Kosten
- Fakt: Der Film erhielt exakt 553.000 Euro an staatlichen Fördermitteln.
- Analyse: Bei 895 Zuschauern in der ersten Woche ergibt das eine staatliche Stütze von 617 Euro pro Ticket.
- Warum wichtig: Hier wird deutlich, dass das Fördersystem völlig entkoppelt vom Bürgerinteresse funktioniert.
Das große Ganze: Polit-Dokus sind in Österreich ein bewährtes Mittel zur Selbstbeweihräucherung, meist ohne jedes Publikum.
- Sebastian Kurz lockte immerhin 4.000 Neugierige an, was im Vergleich zu Babler fast wie ein Blockbuster wirkt.
- Das nächste Millionen-Grab steht mit „BRUNO“ bereits in den Startlöchern.
- Hier fließen fast vier Millionen Euro, davon 750.000 Euro direkt vom ORF.
Zwischen den Zeilen: Der Regisseur Harald Friedl verweigert die Aussage zu kritischen Fragen.
- Es bleibt unbeantwortet, ob er mit derselben Leidenschaft eine Doku über Herbert Kickl gedreht hätte.
- Inhaltlich bietet der Streifen keinerlei kritische Einordnung, sondern zeigt lediglich banale politischen Alltag im Wahlkampf.
Follow the money: Die halbe Million Euro wurde von einer „unabhängigen“ Jury durchgewunken. In einem Land, in dem jeder Cent zweimal umgedreht werden muss, wirkt eine solche Summe für ein Nischenprodukt wie blanker Hohn. Das Geld ist weg, die Zuschauer sind es gar nicht erst gewesen.
Die andere Sicht: Unterstützer argumentieren, dass Filmförderung Kunst sei und sich nicht an Verkaufszahlen messen lassen dürfe. Ein Dokumentarfilm müsse den Zeitgeist festhalten, unabhängig vom kommerziellen Erfolg. Doch wenn die Dokumentation zum reinen Werbefilm ohne kritische Distanz verkommt, endet die Kunst und der Lobbyismus beginnt.
Warum das wichtig ist: Wenn die Politik sich selbst Denkmäler auf Kosten der Allgemeinheit setzt, die niemanden interessieren, ist das System am Ende. Diese Form der Umverteilung von unten nach oben – direkt in die Taschen der Filmbranche – stinkt gewaltig. 553.000 Euro für 895 Zuschauer ist eine Bilanz, die in jedem privaten Unternehmen zur sofortigen Kündigung führen würde. In der österreichischen Politik-Blase nennt man das „Kulturförderung“ und zuckt mit den Schultern.
Quellen: krone.at

