Worum es geht: Die Likud wirft der Zeitung Haaretz und den Autoren Shlomi Eldar und Ruth Yuval eine Falschmeldung vor: UAE-Präsident Mohammed bin Zayed soll Netanyahu eineinhalb Wochen vor dem 7. Oktober 2023 vor einem Hamas-Angriff gewarnt haben. Netanyahu sagt, das PMO, der Nationale Sicherheitsrat und der Militärsekretär hätten die Anrufliste geprüft: zwischen Anfang September und dem 7. Oktober 2023 kein Gespräch, kein Eintrag eines emiratischen Vertreters im Premierbüro. Er hat Anwälte mit einer Verleumdungsklage beauftragt.
Die wahre Affäre, die in den letzten zwei Tagen ans Licht gekommen ist, ist die dreiste ausländische Einmischung in die Wahlen in Israel.
Likud-Erklärung
Der Konflikt: Die Likud dreht den Vorwurf um und spricht von dreister ausländischer Einmischung in Israels Wahlen. Hinter der Haaretz-Story stehe der in den Emiraten lebende Palästinenserführer Muhammad Dahlan. Die Partei fordert ein Strafverfahren gegen Eldar, Yuval, Haaretz, Yair Golan und die Partei Die Demokraten.
Wer sagt was: Die Likud behauptet, Dahlan habe mit der Hamas eine gemeinsame Liste für die Wahlen der Palästinensischen Autonomiebehörde gebildet. Er wolle Netanyahu stürzen, weil er die Kontrolle über Gaza anstrebe. Dafür brauche er eine schwache Linkskoalition aus Gadi Eisenkot, Yair Golan, Avigdor Lieberman und den arabischen Parteien. Eine solche Regierung würde sich aus Gaza zurückziehen und es unter seine Kontrolle übergeben.
- Eldar und Darkenu: Die Likud sagt, Eldar habe Geld von einer linken Stiftung mit Verbindung zu Golans Demokraten erhalten, um die Geschichte zu verbreiten.
- Podcast-Zahlung: Eldar bestätigte gegenüber Yinon Friedman eine Zahlung der Organisation Darkenu für Podcast-Arbeit zur Bewerbung der Recherche.
- UAE-Reisen: Die Likud fragt, ob ein geheimer Besuch von Yair Golan und Ronen Bar in den Emiraten vor etwa zwei Monaten mit der Haaretz-Veröffentlichung zusammenhängt.
Ausgangslage: Die Haaretz-Geschichte stammt aus dem Buch Hostages: 843 Days of Abandonment. Eldar sagte bei Channel 12, sie stehe auf drei unabhängigen Quellen sowie Aufnahme und Dokumente. Die UAE bestätigten den konkreten Anruf nicht, sprachen aber von offener Kommunikation und Geheimdienstaustausch, wenn nötig.
Die andere Sicht: Dahlans Bewegung nannte die Likud-Anschuldigung eine lächerliche und irreführende Hetze. Times of Israel und Ynet schreiben, die Likud lege keine Belege vor, dass Dahlan die Geschichte platziert hat, dass die Darkenu-Zahlung die Haaretz-Recherche steuerte oder dass die UAE-Reisen mit der Veröffentlichung verbunden sind.
Zwischen den Zeilen: Im August 2026 trafen Vertreter von Dahlans Democratic Reform Bloc in Kairo Hamas-Führer Khalil al-Hayya und andere Fraktionen. Diskutiert wird eine breite nationale Liste für die PLC-Wahlen am 28. November 2026, die ersten seit 2006. Ziel ist die Schwächung von Mahmoud Abbas.
Zahlen auf einen Blick: Golan reiste im Juni 2026 unangekündigt nach Abu Dhabi, finanziert von den Demokraten. Channel 13 berichtete im Juni 2026, der frühere Schin-Bet-Chef Ronen Bar sei nach einer iranischen Bedrohungswarnung aus den UAE evakuiert worden. Abu Dhabi dementierte Konferenz und Evakuierung.
Worauf es jetzt ankommt: Netanyahu will die Story vor Gericht als Lüge festnageln. Die Opposition nutzt sie für die Forderung nach einer staatlichen Untersuchungskommission zum 7. Oktober. Die Likud verlangt eine strafrechtliche Verfolgung gegen die Journalisten und die Oppositionspartei wegen Verdachts auf Wahlbeeinflussung mit ausländischen Akteuren.
Unterm Strich: Dokumentiert sind der Medienstreit um den angeblichen MBZ-Anruf, Dahlans Annäherung an die Hamas vor den PA-Wahlen und Zahlungen für die Vermarktung der Story. Die Kette, Dahlan habe Eldar gesteuert und die Reisen gehörten dazu, bleibt ohne vorgelegten Beweis.
Sieben Wochen vor der Wahl ist kein Zufall, das ist Dirty Campaigning nach Lehrbuch.
Frank sagt:
Go deeper:
- Israel National News
- Ynet
- JFeed
- Times of Israel
- JFeed / Dahlan-Dementi
- Times of India / PMO-Klage
- JFeed / Darkenu
- The New Yorker
- Jerusalem Post
- Israel Hayom
- Ynet / Buch
- Jerusalem Post / Dahlan-Hamas
- Al Jazeera
- Jerusalem Post / Ronen Bar
- Times of Israel / Bar
- Al Mayadeen / Golan-UAE
- Israel National News / Bar-Evakuierung

