In drei Sätzen: Nach peinlichen Sex-Chats und der aufgeflogenen Versendung von Fotos des primären Geschlechtsorgans des Generaldirektors samt aktueller Erpressungs-Anzeige bleibt der mit Zwangsgebühren finanzierte ORF im Selbstzerstörungs-Modus: ORFIII-Direktor Peter Schöber geht juristisch gegen den eigenen Arbeitgeber vor – mit einer Klage und einem Antrag auf einstweilige Verfügung will er verhindern, dass ein interner Compliance-Bericht über ihn dem ORF-Stiftungsrat vollständig offengelegt wird. Und zeitgleich geben sich alle ORF-Mitarbeiter in einer Kampagne als Opfer: Sie meinen nach jahrelangem Zusehen bei Intrigen und einer unverschämten Abkassiererei, dass sie ja ganz anders wären.
Der Auslöser: In einer internen Untersuchung haben 50 aktuelle und ehemalige Mitarbeiter schwerwiegende Vorwürfe gegen Schöber erhoben, diese reichen von Mobbing über toxisches Führungsverhalten bis hin zu politischer Einflussnahme. Für Schöber gilt die Unschuldsvermutung. Dennoch sorgt der Umstand, dass er weiterhin im Amt ist – und mit einem Jahresgehalt von über 300.000 Euro zu den Spitzenverdienern zählt – für massive Kritik innerhalb und außerhalb des Senders. Schöber will nun mit einer Klage und einem Antrag auf einstweilige Verfügung verhindern, dass ein interner Compliance-Bericht über ihn dem ORF-Stiftungsrat vollständig offengelegt wird.
Zwischen den Zeilen:
- Dass sich Schöber bisher trotz aller Vorwürfe halten konnte, wird im ORF auch seinen guten Kontakten zu Freimaurer-Brüdern zugeschrieben – eine Bestätigung dafür gibt es aber nicht.
- Die weitere Eskalation im Fall Schöber wirkt wie ein Brandbeschleuniger im ohnehin schon lichterloh brennenden Staatsfunk.
- Die bis Jahreswechsel zur Generaldirektorin bestimmte Journalistin Ingrid Thurnher hat nun eine weitere Baustelle, bei der sie schnell handeln müsste.
- Während die ORF-Spitze weiter im Kamikaze-Modus trudelt, teilen die ORF-Sternchen auf den Social-Media-Plattformen Postings mit einem #nichtmituns-Slogan, jahrelang haben sie aber bei all den Intrigen und Skandalen im ORF geschwiegen.
Das Sittenbild: Der mit zwangsweise abkassierten Gebühren am Leben erhaltene Medien-Dinosaurier verbrennt nun Geld mit Klagen und Rechtsgutachten, 450.000 Euro soll Ingrid Thurnher allein in den vergangenen Wochen für Expertisen externer Gutachter ausgegeben haben. Während die ORF-Großverdiener über Abfertigungen und Luxuspensionen streiten, wollen viele Österreicher längst die Abschaffung des ganzen teuren Gebührenfunks. Doch der ÖVP-SPÖ-NEOS-Bundesregierung fehlt der Mut zu einer überfälligen Privatisierung des Staatsfunks.
Das große Ganze: Die nun auffliegenden Skandale im ORF zeigen ein katastrophales Gesamtbild des größten Medienhauses Österreichs. Trotzdem bleibt Medienminister und Vizekanzler Andreas Babler auf Tauchstation, erst im Herbst soll ein Arbeitskreis zum Öffentlich Rechtlichen Rundfunk tagen. Auch dieses brisante Thema zeigt die Unfähigkeit der Dreierkoalition, auf akute Krisensituationen mit Sofort-Maßnahmen zu reagieren, auf der Seite der ohnehin schon extrem belasteten Steuerzahler einzugreifen.
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Bericht auf oe24
