In drei Zeilen: Der FoB-Bericht über die steuerfinanzierte Sommertour von Kanzler Christian Stocker schlägt ein wie eine Bombe. Wütende Bürger machen ihrem Ärger über die gecastete Demokratie-Simulation Luft. Die Reaktionen zeigen unmissverständlich: Die Österreicher haben die Nase voll von teuren PR-Gags auf ihre Kosten.
Der Auslöser: Nach der FoB-Story über die Fake-Bürgernähe „Österreich im Gespräch“ explodieren die Kommentarspalten und sozialen Netzwerke. Die Bürger weigern sich, als Statisten für eine ÖVP-Wahlkampfshow zu fungieren, die offiziell vom Kanzleramt bezahlt wird. Die Wut über das selektierte Publikum nach den Kriterien von Meinungsforscher Hajek ist grenzenlos.
Wer sagt was:
- „Das ist keine Bürgernähe, das ist ein geschlossenes Casting für ein Kanzler-Wohlfühlprogramm“, schreibt ein verärgerter FoB-Leser.
- FPÖ-Bundesparteisprecherin Lisa Schuch-Gubik sieht sich durch den massiven Volkszorn bestätigt und legt nach: „Es steht die Frage im Raum, welche Honorare etwa für Meinungsforscher Peter Hayek anfallen werden. Denn es ist wohl kaum anzunehmen, dass die Auswahl jener Bürger, die erscheinen dürfen, kostenlos erfolgt“, erklärte Schuch-Gubik.
- Das Bundeskanzleramt schweigt derweilen eisern.
Das Sittenbild: Die Reaktionen im Netz zeichnen das Bild einer tiefen Entfremdung zwischen Stocker und den Steuerzahlern. Während die Regierungsbürokratie im Elfenbeinturm glaubt, mit einer durchgestylten „Wetterfee-Moderation“ und handverlesenen Claqueuren Punkte zu sammeln, durchschaut die Basis den PR-Gag sofort.
Das große Ganze: Die Wutwelle im Netz lässt sich in drei klare Strömungen unterteilen, die der ÖVP im kommenden Sommer den Schweiß auf die Stirn treiben werden:
- Finanzrebellion: Die Steuerzahler fordern vehement, dass die Kosten für Locations, Technik und das Hajek-Casting eins zu eins von der ÖVP-Parteikasse übernommen werden.
- Casting-Boykott: In den Foren rufen die Menschen dazu auf, das Anmeldeportal oesterreich-im-gespraech.at entweder zu boykottieren oder das System durch gezielte Falschangaben beim Hajek-Fragebogen zu unterwandern.
- Forderung nach Transparenz: Die Rufe nach der sofortigen Offenlegung der Verträge mit Christa Kummer und Peter Hajek werden stündlich lauter.
Zwischen den Zeilen: Das System hat nicht mit der digitalen Mündigkeit der Bürger gerechnet, die sich in den Reaktionen zeigt:
- Die User zerlegen das Hajek-Auswahlverfahren bis ins kleinste Detail und entlarven es als Filterblase par excellence.
- Viele Kommentatoren weisen darauf hin, dass kritische Geister bei einer Vorabauswahl nach „politischer Verortung“ ohnehin sofort aussortiert werden.
- Der Begriff „Demokratie-Simulation“ hat sich durch den FoB-Artikel als neues geflügeltes Wort für Stockers Sommertour etabliert.
System gönnt sich: Während die Teuerung den Bürgern das Geld aus der Tasche zieht, leistet sich das Kanzleramt ein wissenschaftlich kuratiertes Wohlfühl-Publikum für den Chef.
Follow the money: Der digitale Protest fordert nun handfeste Konsequenzen. Die FPÖ wird ihre parlamentarische Anfrage nun wohl um diese brennenden Fragen der User erweitern müssen.
Die andere Sicht: Die wenigen verbliebenen Regierungsapologeten versuchen in den sozialen Medien zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Sie argumentieren, dass ohne eine statistische Auswahl der Teilnehmer nur „die lautesten Schreier“ Gehör finden würden. Ein schwaches Argument, wenn man bedenkt, dass ein echter Volkskanzler keine Angst vor den lauten Stimmen seines Landes haben dürfte.
Warum das wichtig ist: Fass ohne Boden hat mit diesem Bericht den Nerv der Zeit getroffen, weil er die nackte Arroganz der Macht offenlegt. Die Reaktionen zeigen, dass die Österreicher kein Theaterstück mit Steuergeld finanzieren wollen, bei dem der Ausgang schon vor der Premiere feststeht. Wenn Stocker diesen Sommer durch die Bundesländer tourt, wird er nicht auf ein repräsentatives Sample treffen, sondern auf eine zutiefst verärgerte Bevölkerung.
Das sagt Frank: Man kann sich sein Volk eben nicht wie Statisten für einen Werbefilm zusammenklicken, wenn die Stimmung im Land auf dem Tiefpunkt ist.


