In drei Zeilen: Bundeskanzler Christian Stocker geht im Sommer auf Tour durch alle neun Bundesländer. Die Veranstaltungsreihe „Österreich im Gespräch“ (FoB berichtete bereits) läuft über das Bundeskanzleramt und damit auf Steuerkosten. Teilnehmer müssen sich anmelden und werden nach Kriterien des Meinungsforschers Peter Hajek vorab ausgewählt.
Der Auslöser: Stocker startet am 16. Juli in Tulln. Bis Ende August folgen Termine in allen Bundesländern mit maximal 200 Personen pro Event. Moderatorin ist Ex-ORF-Wetterfee Christa Kummer. Die ganze Sache organisiert nicht die ÖVP, sondern das Kanzleramt.
Wer sagt was:
- Kanzler Christian Stocker: „Ich werde daher diesen Sommer in ganz Österreich unterwegs sein, um Gespräche zu führen, mit euch, was euch bewegt, was gut gelungen ist und was verbessert werden muss. Direkt, persönlich, ohne Umwege. Ich freue mich auf diesen Sommer.“
- Nationalratsabgeordnete und FPÖ-Bundesparteisprecherin Lisa Schuch-Gubik sagt: „Es sei Herrn Stocker unbenommen, eine Sommertour zu veranstalten – dann allerdings auf Kosten der ÖVP und nicht auf Kosten der Österreicher.“
- Sie kündigt eine parlamentarische Anfrage zur vollständigen Offenlegung aller Kosten an. Schuch-Gubik kritisiert zudem die „streng kontrollierte Auswahl des Publikums“.
Das Sittenbild: Ein Kanzler, der echte Bürgernähe vorgibt, traut sich offenbar nicht vor ungesiebtes Publikum. Stattdessen lässt er Hajek einen repräsentativen Querschnitt zusammenstellen. Das riecht nach Demokratie-Simulation.

Blamage auf YouTube:
- Fakt: Der offizielle Trailer „Österreich im Gespräch mit Bundeskanzler Christian Stocker“ hat nach neun Tagen gerade einmal 34 Aufrufe. Kommentare sind deaktiviert.
- Analyse: Während Stocker mit Steuergeld eine große Bürgernähe-Show ankündigt, interessiert sich draußen kaum jemand für seine PR-Aktion.
- Warum wichtig: Das Video des Bundeskanzleramts floppt erbärmlich. Es hat einen Grund, warum er im internationalen Beliebtheits-Ranking bereits hinter Erdoğan und Trump liegt.
Das große Ganze:
- Neun Termine, einer pro Bundesland.
- Anmeldung über oesterreich-im-gespraech.at.
- Keine offene Veranstaltung, sondern streng kuratiert.
- Finanzierung aus Steuermitteln statt Parteikasse.
Versteckte Kosten:
- Fakt: Die Tour läuft über das Bundeskanzleramt-Budget.
- Analyse: Die ÖVP spart sich die eigene Finanzierung, während der Steuerzahler für Locations, Technik, Security, Moderation und Hajeks Auswahlverfahren blechen darf.
- Warum wichtig: Transparenz fehlt komplett. Erst die FPÖ-Anfrage wird hoffentlich Zahlen liefern.
Zwischen den Zeilen:
- Hajek liefert „wissenschaftliche“ Vorabauswahl nach Alter, Geschlecht, Bildung und politischer Verortung.
- Das Ergebnis: ein Publikum, das repräsentativ wirkt, aber kontrollierbar bleibt.
- Wer echte unbequeme Fragen stellt, hat wohl schlechte Karten.
Follow the money: Noch gibt es keine konkreten Summen. Bei neun Events mit 200 Leuten, Profi-Moderation, Meinungsforscherhonorar und Logistik dürfte es aber schnell in die Hunderttausende gehen. Alles aus dem Bundeskanzleramt.
Die andere Sicht: Das Kanzleramt spricht von echtem Dialog und Bürgernähe. Stocker wolle sich den Fragen der Österreicher stellen. Solche Touren habe es auch früher schon gegeben. Die Auswahl diene nur der Repräsentativität.
Warum das wichtig ist: Stocker und die ÖVP stecken in den Umfragen tief drin und brauchen dringend positive Bilder. Statt echte Probleme zu lösen, inszenieren sie eine kontrollierte PR-Show auf Kosten des Steuerzahlers. Das zeigt vor allem eines: Der Kanzler hat Angst vor seinem eigenen Volk. Traurig, aber wahr.


