Worum es geht: Die deutschen Gasspeicher hinken dem Vorjahr massiv hinterher. Trotz geopolitischer Spannungen im Nahen Osten und steigender Importkosten hält der Berliner Apparat am Narrativ der gesicherten Versorgung für den Winter 2026/2027 fest, während erste Speicher technisch bereits aufgegeben wurden.
Die Antwort: Die Bundesregierung räumt ein, dass die aktuellen Füllstände deutlich unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Zum Stichtag 26. August 2026 waren die Speicher mit 126,8 Terawattstunden (TWh) gefüllt – ein sattes Minus von 45,2 TWh im Vergleich zu 2025.
- Technische Grenzen: Bei den bayerischen Porenspeichern Wolfersberg, Breitbrunn und Inzenham-West ist das Erreichen der gesetzlichen Füllstandsvorgaben bis zum 1. November technisch gar nicht mehr möglich.
- Teurer Import: Der Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus verteuerten die Gasimporte im ersten Halbjahr 2026 um rund 400 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
- Nachbarschafts-Check: Während Polen seine Speicher zu über 90 Prozent gefüllt hat, hinkt Deutschland im europäischen Vergleich hinterher; die Niederlande stehen sogar nur bei knapp 45 Prozent.
- Entwarnung: Trotz der Zahlen sieht das Ministerium keinen Anlass für Krisenszenarien oder Spar-Appelle an die Bevölkerung, da der Markt die Mengen angeblich bereitstellt.
Fragesteller und Fragen: Die Abgeordneten Michael Kellner, Julia Verlinden, uvm. (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) hakten in ihrer Kleinen Anfrage (21/7599) nach. Die Antwort der Bundesregierung (21/7879) lieferte Details zu folgenden Punkten:
- Füllstandsdifferenz der deutschen Gasspeicher im Vergleich zum Vorjahr.
- Erreichbarkeit der Füllstandsvorgaben bei einzelnen Speichern.
- Auswirkungen des Iran-Konflikts auf Gaspreise und Importkosten.
- Situation der bayerischen und österreichischen Speicher (Haidach, 7 Fields).
- Stand der geplanten strategischen Gasreserve und der Gasumlage.
- Reduzierung russischer Gasimporte in die Europäische Union.
Zwischen den Zeilen: Während die grüne Fraktion bereits den Boden für neue Spardiktate und Heizungsverbote bereitet, flüchtet sich die Bundesregierung in Zweckoptimismus. Dass die volkswirtschaftlichen Mehrkosten von 400 Millionen Euro am Ende beim kleinen Endverbraucher landen, wird achselzuckend als „marktliche Entwicklung“ hingenommen.
Was fehlt: Eine klare Antwort auf die künftige Belastung der Haushalte. Die Bundesregierung gibt offen zu, keine Erkenntnisse darüber zu haben, mit welchen Mehrkosten ein Durchschnittshaushalt in der kommenden Heizperiode konkret rechnen muss.
Wenn die Speicher leer bleiben und die Preise steigen, nennt das Berliner Ministerium das einfach eine preisliche Optimierung der Marktakteure.
Frank sagt:

