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Reading: Transkript: Interview mit Serhiy Vahanyan
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Fass ohne Boden > Investigativ > Transkript: Interview mit Serhiy Vahanyan
Investigativ

Transkript: Interview mit Serhiy Vahanyan

Serhiy Vahanyan enthüllt SBU-Erpressungssystem bis ins Umfeld Selenskyjs.

Bargeldübergabe - Sommer 2021 - 6.000.000 Hrywnja - damsl ca 190.000 Euro- Runway FoB AI
Bargeldübergabe - Sommer 2021 - 6.000.000 Hrywnja - damals ca 190.000 Euro- Runway FoB AI
Alexander Surowiec
12. April 2026
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34 Min Read

In drei Sätzen: Insider Serhiy Vahanyan packt aus. Nachdem ein Killerkommando vor seinem Haus auf ihn geschossen hatte und er nur dank schusssicherer Weste überlebte, floh der ukrainische Geschäftsmann Serhiy Vahanyan 2021 nach Österreich. Dort enthüllt er nun ein milliardenschweres Erpressungssystem im ukrainischen Geheimdienst SBU, das direkt bis ins engste Umfeld von Präsident Selenskyj reichen soll – inklusive monatlicher Schutzgelder von bis zu 10 Millionen Dollar und eines 20-Millionen-Dollar-Bestechungsangebots für den Gouverneursposten von Odessa. Heute lebt er unter Personenschutz und hat brisante Beweise an das ukrainische Antikorruptionsbüro NABU und das FBI übergeben.

Contents
  • Einleitung
  • Frage 1: Über Wolodymyr Selenskyj
  • Frage 2: Der erste Kontakt mit dem SBU
  • Frage 3: Die SBU-Erpressung im Getreidegeschäft
  • Frage 4: Über SBU-Zahlungen
  • Frage 5: Russische Agenten beim SBU und Vorbereitung der Invasion 2022
  • Frage 6: 20-Millionen-Dollar-Erpressung, Attentat und Flucht nach Österreich
  • Frage 7: Beweise an NABU, 40 Tage Auslieferungshaft in Österreich und neue Attentate
  • Frage 8: Beweise an NABU & FBI – Selenskyj und sein Umfeld sind Kriminelle
  • Frage 9: NABU & SAP werden von Selenskyjs engstem Umfeld sabotiert
  • Frage 10: Naumov hat weiter Einfluss – Strafanzeige in Österreich und aktuelle Bedrohungen
  • Frage 11: Abschlussbotschaft an die Ukraine – Hört auf zu schweigen

Einleitung

Alexander Surowiec:
Meine Damen und Herren, guten Abend. Heute sprechen wir über einen der größten Skandale in der Ukraine, der sich inmitten eines internationalen Krieges abspielt. Ein System der Ausbeutung, der Geldwäsche und Millionenzahlungen in Dollar, direkt gesteuert vom ukrainischen Geheimdienst SBU. Ein Insider, der Teil dieses Systems war, spricht heute über die systematische Veruntreuung von Geldern bei Pilzexporten, über luxuriöse Geschenke, über die Pflege von Verbindungen bis hinauf zu Präsident Selenskyj und über die Frage, ob diese Korruption auch heute noch existiert.

Mein Name ist Alexander Surowiec, ich bin Herausgeber vom investigativen News Hub „FoB“. Wir sind hier in Wien und heute spreche ich mit dem ukrainischen Geschäftsmann Sergej Wachanjan. Sergej wird zum ersten Mal seine unglaubliche Geschichte teilen. Sie sind ein ukrainischer Unternehmer aus dem Agrar- und Umweltsektor und seit vielen Jahren in der Ukraine tätig – unter anderem in Regionen wie Poltawa, Charkiw, Samara und Odessa.

Frage 1: Über Wolodymyr Selenskyj

Serhiy Vahanyan über Wolodymyr Selenskyj: "Korruption gab es in der Ukraine auch schon vor Wolodymyr Selenskyj, aber nachdem er Präsident wurde, ist die Korruption um das Zehnfache gestiegen. Wolodymyr Selenskyj trat mit den richtigen Parolen zur Wahl an:
Er versprach, die… pic.twitter.com/KsYxbTMaA3

— FoB Fass ohne Boden (@FassohneBoden) April 10, 2026

Alexander Surowiec:
Viele kennen Sie vor allem aus Ihren Anzeigen in den ukrainischen Medien seit dem 1. Januar 2026. Erzählen Sie uns: Wie sah Ihr Leben als Geschäftsmann im Jahr 2019 aus? Wie wirkte die Branche damals, und was hat sich nach der Wahl von Präsident Wolodymyr Selenskyj geändert?

Serhiy Vahanyan:
Mein Leben sah aus wie das eines jeden anderen Geschäftsmanns in der Ukraine – sehr intensiv. Wenn man Ihre Frage auseinandernimmt, kann man sie in zwei Teile gliedern. Ich beschäftigte mich mit dem Anbau von Agrarprodukten sowie mit deren Ankauf, Handel und Export. Zudem war ich im Bereich der Medizintechnik tätig, konkret beim Bau von Rettungswagen.
Korruption gab es in der Ukraine auch schon vor Wolodymyr Selenskyj, aber nachdem er Präsident wurde, ist die Korruption um das Zehnfache gestiegen. Wolodymyr Selenskyj trat mit den richtigen Parolen zur Wahl an: Er versprach, die Korruption auszurotten, die Vetternwirtschaft zu beenden, keine Freunde oder Klassenkameraden mehr zu ernennen und geheime Absprachen aus der ukrainischen Politik zu verbannen. Er wollte das System verändern.
Doch von all dem oben Genannten hat er nichts umgesetzt – weder für das Land noch für die einfachen Menschen. Unter ihm ist die Korruption nur noch gewachsen und hat ein gewaltiges Ausmaß angenommen.

Frage 2: Der erste Kontakt mit dem SBU

Serhiy Vahanyan über den ersten Kontakt mit dem SBU:
"Gleich nach der Wahl von Wolodymyr Selenskyj zum Präsidenten wurde ich, wie viele andere Geschäftsleute auch, in das Gebäude des Sicherheitsdienstes der Ukraine eingeladen – in das Hauptgebäude in der Wolodymyrska-Straße in… pic.twitter.com/ngdo5GWlZ7

— FoB Fass ohne Boden (@FassohneBoden) April 11, 2026

Alexander Surowiec:
Unglaublich. Ihr erster Kontakt mit dem System Selenskyj. Im Dezember 2019 trafen Sie Ivan Bakanov, den Leiter des ukrainischen Sicherheitsdienstes der Ukraine und einen engen Vertrauten von Präsident Selenskyj. Wie kam es zum ersten Kontakt und wie entstand die Zusammenarbeit? Wann traten Andrij Naumow, Leiter einer Hauptabteilung des SBU, zum ersten Mal in Ihr Leben und Ihre Geschichte?

Serhiy Vahanyan:
Gleich nach der Wahl von Wolodymyr Selenskyj zum Präsidenten wurde ich, wie viele andere Geschäftsleute auch, in das Gebäude des Sicherheitsdienstes der Ukraine eingeladen – in das Hauptgebäude in der Wolodymyrska-Straße in Kiew. Bei diesem Treffen waren sowohl Andrij Naumow als auch Ivan Bakanov anwesend. Aber Andrij Naumow kannte ich schon davor, aus der Zeit, als er in der Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine arbeitete. Bei diesem Treffen wurde mir gesagt, dass ich eine gewisse finanzielle Unterstützung für den Sicherheitsdienst der Ukraine leisten müsse, damit ich keine Hindernisse für mein Geschäft habe.
Diese Hilfe äußerte sich zunächst im Kauf von Möbeln für den Sicherheitsdienst der Ukraine, dann im Kauf von Möbeln für das Privathaus von Ivan Bakanov, dann einer Wohnung für Andrij Naumow, dann Autos, gepanzerte Autos.

Frage 3: Die SBU-Erpressung im Getreidegeschäft

Serhiy Vahanyan über die SBU-Erpressung im Getreidegeschäft:
"Für das zivilisierte Europa ist das unverständlich. 🔥
Wie kann in der korrupten Ukraine, im korruptesten Land der Welt, eine solche Gesetzlosigkeit florieren?
In der Ukraine sind die Strafverfolgungsbehörden so… pic.twitter.com/XsYUgab6ow

— FoB Fass ohne Boden (@FassohneBoden) April 12, 2026

Alexander Surowiec:
Das ist wirklich unglaublich. Aber erklären Sie uns doch mal: Wie genau funktionierte dieser Einfluss des SBU auf das Getreidegeschäft eigentlich? Viele Zuhörer verstehen nämlich nicht ganz, wie ein SBU-Chef und seine rechte Hand ein völlig normales Getreideexport-Geschäft derart beeinflussen konnten.
Schließlich stellt der SBU ja gar keine offiziellen Exportlizenzen aus. Können Sie uns das Schritt für Schritt erklären? Was genau war die ‚Gegenleistung‘ für die Zahlungen, die Sie und andere Unternehmer leisten mussten? Und warum mussten diese Geschäfte überhaupt ‚geschützt‘ werden?
Ging es dabei um den Zoll, um die Lagerhäuser, die Häfen oder vielleicht um Sanktionen des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats – oder steckte noch etwas ganz anderes dahinter?

Serhiy Vahanyan:
Für das zivilisierte Europa ist das unverständlich. Wie kann in der korrupten Ukraine, im korruptesten Land der Welt, eine solche Gesetzlosigkeit florieren? In der Ukraine sind die Strafverfolgungsbehörren so verrottet, insbesondere der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU), dass sie die Behörden in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung verwandelt haben. Der Sicherheitsdienst in der Ukraine beschäftigt sich mit der Erpressung von Unternehmen, der Schaffung künstlicher Schwierigkeiten für die Wirtschaft, Bestechung, der Schutzgelderpressung, illegaler Geschäfte, der Erpressung von Geld von Geschäftsleuten und der Übernahme von Unternehmen.
Andriy Naumov und Ivan Bakanov haben im SBU eine organisierte kriminelle Gruppe gebildet. Beweise dafür habe ich in den Medien in meinen zahlreichen Interviews veröffentlicht. Ihnen wurde Geld gezahlt, damit der SBU keine Frachten beschlagnahmt, keine künstlichen Überprüfungen durchführt und anderen verwandten Behörden keine Anweisungen gibt, die Arbeit dieses oder jenes Unternehmens zu blockieren oder Durchsuchungen aus künstlich erfundenen Gründen durchzuführen. Sie haben Erpressung betrieben. Das System des Sicherheitsdienstes ist derart verrottet, dass die Korruption sich immer weiterentwickelte, ausbreitete und vervielfachte.
Wer nicht bereit war, an sie zu zahlen, gegen den wurden Strafverfahren gefälscht und die Leute wurden ins Gefängnis gesteckt. Wer sich ihnen öffentlich widersetzte, den haben sie physisch liquidiert. Es gibt Fälle, in denen Menschen sich weigerten, an Naumov und Bakanov zu zahlen, woraufhin diese ihnen das Geschäft wegnahmen. Und diese Menschen sind heute leider bereits tot. Damit dies keine leeren Worte sind, habe ich die Beweise für meine Aussagen ebenfalls sowohl dem Nationalen Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) vorgelegt als auch öffentlich gemacht.

Frage 4: Über SBU-Zahlungen

Serhiy Vahanyan über SBU-Zahlungen – 10 Millionen Dollar pro Monat in Bar, Autos und Schmuck:
"Ja, das kann ich. Es lief folgendermaßen ab: Entweder Naumov oder Bakanov riefen mich an und sagten: „Wir wissen genau, wie viel du in dieser Woche, in diesen zwei Wochen oder in diesem… pic.twitter.com/D6c8s2MTMC

— FoB Fass ohne Boden (@FassohneBoden) April 12, 2026

Alexander Surowiec:
„Unglaublich. Kommen wir zur konkreten Mechanik dieser ‚Taxe‘. Sie haben öffentlich von einer Art Abonnement-Gebühr oder Schutzgeld gesprochen, die sich auf etwa 30 bis 50 % des Gewinns belief. Das konnte Summen von bis zu 10 Millionen Dollar pro Monat erreichen.
Aber wie genau hat das in der Praxis funktioniert? War das eine monatliche Zahlung? Erfolgte sie immer in bar, oder gab es das auch in Form von Luxusgütern wie Möbeln, Schmuck oder Autos? Können Sie uns für die Zuhörer ein konkretes Beispiel geben, wie so eine Zahlung oder eine Übergabe typischerweise ablief?

Serhiy Vahanyan:
Ja, das kann ich. Es lief folgendermaßen ab: Entweder Naumov oder Bakanov riefen mich an und sagten: ‚Wir wissen genau, wie viel du in dieser Woche, in diesen zwei Wochen oder in diesem Monat an Getreide verladen und verkauft hast.‘ Egal ob Mais, Weizen oder Gerste – sie wussten auch, in welchen Häfen das passierte. Dann hieß es: ‚Wir erwarten dich an diesem oder jenem Datum; du hast so und so viel Bargeld mitzubringen.‘
Wenn ich einwandte, dass ich Steuern zahlen oder die Geschäfte offiziell über Banküberweisungen abwickeln müsse, zwangen sie mich klipp und klar dazu, alles in bar zu erledigen, damit ich keine Steuern zahle. Ich sollte in den Häfen bar an Exporteure und Trader verkaufen – also an Leute und Unternehmen wie mich, die im Export tätig sind. Auf diese Weise sorgten sie dafür, dass die Devisenerlöse nicht ins Land zurückflossen.
Der Reichtum drückte sich dann im Kauf von Immobilien aus, in Luxuswohnungen im Zentrum von Kiew. Er zeigte sich im Kauf teurer Autos, darunter auch gepanzerte Fahrzeuge, die – genau wie die Wohnungen – auf Verwandte der genannten Personen zugelassen wurden. Es zeigte sich im Kauf von Schmuck. Es zeigte sich in der Bezahlung von privaten Charterflügen, mit denen sie und ihre Familien durch Europa reisten. Es äußerte sich in der physischen Übergabe von Bargeld.
Ich wiederhole: All diese Beweise – Fotos, Dokumente und Videos, die ich besitze – habe ich in meinen Interviews veröffentlicht, die man auf YouTube-Kanälen sehen kann, und ich habe sie auch der Untersuchungskommission des ukrainischen Parlaments vorgelegt. Das Geld habe ich direkt in den Sicherheitsdienst der Ukraine gebracht, fast nach jeder Verladung einer großen Partie Getreide aus den verschiedenen Häfen der Ukraine. Dieses System der Erpressung von Unternehmern ist in der Ukraine extrem weit verbreitet.
Die Mechanismen, um diese unrechtmäßigen Vorteile zu erlangen, waren unterschiedlich. Manchmal wurde mir gesagt, wem ich das Geld übergeben soll – welchem Fahrer oder welcher Person. Oder es kamen Mitarbeiter des SBU, Untergegebene von Bakanov und Naumov, direkt in meine Büros in Kiew oder Odessa und holten das Bargeld ab. Ich betone noch einmal: Das war keine freiwillige Initiative meinerseits. Es war Erpressung unter dem Druck von Drohungen, unter dem Vorwand künstlich konstruierter Strafverfolgung und der Unmöglichkeit, in der Ukraine überhaupt Geschäfte zu machen. Wenn ich Geld verdiente, musste ich zwangsläufig an sie zahlen, weil Ivan Bakanov und Andriy Naumov durch die Hilfe von Selenskyj einen unbegrenzten Einfluss auf das gesamte Strafverfolgungssystem in der Ukraine hatten.

Frage 5: Russische Agenten beim SBU und Vorbereitung der Invasion 2022

Serhiy Vahanyan über russische Agenten beim SBU und Vorbereitung der Invasion 2022:
"Das kann ich. Tatsächlich war Ivan Bakanov einfach nur der Jurist von „Kvartal 95“. Stellen Sie sich nur einmal diesen fantastischen Sprung in seiner Karriere vor. Er hatte keinerlei… pic.twitter.com/E5NAAJoGKV

— FoB Fass ohne Boden (@FassohneBoden) April 12, 2026

Alexander Surowiec:
Sie beschreiben Ivan Bakanov eher als ‚Kurier‘ nach oben und Andriy Naumov als den eigentlichen ‚Macher‘, der den SBU faktisch geleitet haben soll. Wie haben Sie diese Dynamik persönlich erlebt? Wer hat wirklich die Entscheidungen getroffen? Wie war das überhaupt möglich?
Und im Sommer 2021 gab es einen klaren Bruch – ein Angebot für den Posten des Gouverneurs der Region Odesa und eine Lieferung, die Sie nicht durchführen wollten. Können Sie uns genau erzählen, was damals passiert ist und wie sich die Situation danach für Sie verändert hat?

Serhiy Vahanyan:
Das kann ich. Tatsächlich war Ivan Bakanov einfach nur der Jurist von ‚Kvartal 95‘. Stellen Sie sich nur einmal diesen fantastischen Sprung in seiner Karriere vor. Er hatte keinerlei militärischen Rang, der ihn dazu qualifiziert hätte, den Sicherheitsdienst der Ukraine zu leiten oder ihn auch nur zu führen – geschweige denn, dessen Gelände überhaupt zu betreten. Er besaß keine Fachausbildung. Er war schlichtweg ein Schulkamerad des Präsidenten. Man verlieh ihm den Rang eines Leutnants nur deshalb, damit er überhaupt das Gelände des SBU betreten durfte.
Er leitete den SBU lediglich als Aushängeschild, rein nominell. Da Andriy Naumov, den ich bereits zuvor kannte, früher in der Generalstaatsanwaltschaft gearbeitet hatte und Erfahrung in den Strafverfolgungsbehörden besaß, vertraute ihm Ivan Bakanov voll und ganz. So führte Andriy Naumov den SBU faktisch im Alleingang.
Andriy Naumov traf die Schlüsselentscheidungen über Ernennungen innerhalb des SBU, baute die Korruptionssysteme auf und platzierte überall seine Leute als Leiter der regionalen SBU-Abteilungen. Er kontrollierte sämtliche illegalen Geldströme, die er seine Untergebenen eintreiben ließ. Der Einfluss von Andriy Naumov innerhalb des SBU war schlichtweg kolossal. Ivan Bakanov war dagegen nur ein Tourist; er war kein Behördenleiter. Er segnete einfach alles ab, was Naumov vorschlug – egal ob legal oder illegal – und stimmte dies mit dem Präsidenten ab. Bakanov fungierte als Kommunikator zwischen dem Präsidenten und Andriy Naumov.
Mit dem Einverständnis von Ivan Bakanov besetzte Andriy Naumov seit 2019 Schlüsselpositionen im Sicherheitsdienst mit russischen Agenten und arbeitete eng mit dem FSB zusammen. Der Präsident konnte davon unmöglich nichts gewusst haben. Alles, was sich innerhalb des SBU abspielte und wie der Dienst seit 2019 zersetzt wurde, war das Werk von Naumov und Bakanov – unter der stillschweigenden Duldung des Präsidenten.
Als 2022 die russische Invasion in der Ukraine begann, sah die ganze Welt, wie leicht es der russischen Armee an bestimmten Abschnitten gemacht wurde. Das lag daran, dass Naumov und Bakanov alles für diesen Einmarsch vorbereitet hatten. Wie konnten die Russen das Kernkraftwerk Tschernobyl besetzen? Vor seiner Ernennung beim SBU arbeitete Andriy Naumov in der Verwaltungsbehörde für die Sperrzone von Tschernobyl. Was geschah bei der Besetzung von Cherson? Was passierte in Charkiw, in Sumy und in anderen Städten? Das alles war das Ergebnis der Arbeit von Naumov und Bakanov – ihre Hilfe für die Russen.

Frage 6: 20-Millionen-Dollar-Erpressung, Attentat und Flucht nach Österreich

Serhiy Vahanyan 20-Millionen-Dollar-Erpressung, Attentat und Flucht nach Österreich:
"Naumov und Bakanov wussten, dass sich mein Getreidegeschäft rasant entwickelte und ich in Odesa Unterstützung brauchte. Sie schlugen mir vor – gemeinsam mit dem Leiter der SBU-Abteilung in der… pic.twitter.com/UThG42hofW

— FoB Fass ohne Boden (@FassohneBoden) April 12, 2026

Alexander Surowiec:
Meine Damen und Herren, Sie haben es gerade selbst gehört. Es ist schier unglaublich. Sie haben also ‚Nein‘ gesagt – und danach sind Sie geflohen. Danach mussten Sie die Ukraine verlassen. Was ist in den folgenden Monaten passiert? Sie sprechen von Fotos, Videos, Beweisen und den Übergaben. Was genau haben Sie damals dokumentiert?

Serhiy Vahanyan:
Naumov und Bakanov wussten, dass sich mein Getreidegeschäft rasant entwickelte und ich in Odesa Unterstützung brauchte. Unterstützung in welcher Hinsicht? Sie schlugen mir vor – gemeinsam mit dem Leiter der SBU-Abteilung in der Region Odesa, Viktor Dorovskoy, der aus irgendeinem erstaunlichen Grund immer noch im Amt ist und dem Präsident Zelenskyy sogar den Rang eines Generals verliehen hat –, 90.000 Tonnen Mais an ein bestimmtes Unternehmen zu verkaufen. Als ich erfuhr, dass dieses Geschäft unlauter war und man mich einfach nicht bezahlen wollte, sagte ich, dass ich an diese Leute nicht verkaufen werde, da sie unter den Sanktionen des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats stehen. Da ich zuvor das dringende, erzwungene Angebot erhalten hatte, das Amt des Gouverneurs der Region Odesa zu übernehmen, sagte Naumov zu mir: ‚Hör zu, du musst das machen.‘
Ich sagte ihm erneut, dass ich das ablehne. Daraufhin lud mich Naumov nachts in sein sogenanntes ‚Kontrabande-Backoffice‘ ein und sagte, ich müsse ihm und dem ‚Direktor‘ – er zeigte dabei nach oben – 20 Millionen Dollar zahlen, um Gouverneur von Odesa zu werden. Ich antwortete, dass ich das nicht tun werde, weil ich so viel Geld nicht habe. Außerdem sagte ich ihm, dass ich kein Gouverneur sein will, sondern mein Geschäft führen möchte.
Er erwiderte, dass ich alle Auswahlgespräche durchlaufen hätte und Gouverneur werden müsse. Er sagte, ich käme aus der Sache nicht mehr heraus, da alle Ernennungen von Ivan Bakanov mit dem Präsidenten abgestimmt seien. Ich müsse das Geld zahlen. Ich wiederholte, dass ich nicht über so viel Bargeld verfüge.
Er sagte mir: ‚Du hast Getreide im Wert von 44 Millionen Dollar in ukrainischen Silos liegen. Du kannst es an diesen Mann hier verkaufen.‘ Bei diesem Treffen war der ukrainische Oligarch Vadym Yermolaev anwesend, der derzeit unter Sanktionen des Sicherheitsrats steht. Naumov zeigte auf ihn und sagte: ‚Verkauf an ihn, er gibt uns das Geld, und dann lebe dein Leben weiter.‘ Ich fragte noch einmal: ‚Wofür soll ich bezahlen?‘ Er antwortete: ‚Dafür, dass du in einer Woche der Chef der Region Odesa bist.‘ Er fügte hinzu, dass mich kein Land in Europa retten werde, dass man mich überall finden und töten könne und dass ich von überall ausgeliefert werden könne.
Er sagte: ‚Überleg es dir einfach sehr gut.‘ Ich antwortete ihm, dass ich nicht vorhabe wegzugehen – und dass ich dieses Mal nicht zahlen werde.
Zuvor hatte ich gezahlt, weil ich eingeschüchtert und bedroht wurde. Beweise dafür – Videos, Audios und Fotos – habe ich bereits in früheren Interviews vorgelegt. Ich sagte ihm, dass es nun reicht und ging. Am nächsten Morgen rief mich Vadym Yermolaev an und fragte: ‚Was hast du entschieden?‘ Ich sagte: ‚Ich werde niemandem auch nur eine Tonne meines Getreides geben und niemandem mehr einen Cent zahlen.‘ Er sagte nur: ‚Okay, gut.‘ Kurz darauf wurde vor meinem Haus ein Attentat auf mich verübt. Es wurde auf mich geschossen. Meine Leibwächter und die Tatsache, dass ich eine schusssichere Weste trug, haben mich gerettet. Danach versuchte man, mir den staatlichen Schutz zu entziehen und mich zu entführen.
Ich war gezwungen, mit dem nächstmöglichen Flug am 16. September 2021 nach Wien zu fliehen. Da ein Großteil meines Vermögens auf meinen Assistenten Maksym Boyko eingetragen war, wurde das Getreide im Wert von 44 Millionen Dollar einfach gestohlen – von Naumov, Bakanov, Mitarbeitern des Präsidialamtes und dem Innenministerium. Mir wurden Drohungen geschickt, ich solle mein belastendes Material aushändigen. Mein Assistent wusste, dass ich ab einem gewissen Punkt Kompromat gegen all diese Leute gesammelt hatte: wie sie mich erpressten, wie sie das Geld nahmen und wofür – dokumentarisch, per Audio und Video belegt. Man begann mich zu erpressen. Es wurde ein Strafverfahren gegen mich konstruiert, in dem behauptet wurde, ich hätte 5 Millionen Euro von einem gewissen Herrn Ogrenko genommen.
Dieser Mann schreibt in seiner Vernehmung, er könne sich nicht erinnern, wo er mich kennengelernt habe. Er sagt, er habe das Geld nicht persönlich übergeben, nicht sicher an mich, und er wisse nicht mehr, wer aus meinem Umfeld es angeblich erhalten habe; er wisse auch nicht, wer wem in meinem Namen eine Quittung über diese 5 Millionen Euro gegeben habe. In weiteren Punkten wird behauptet, ich hätte weitere Quittungen unterschrieben und Geld genommen. Innerhalb von zwei Tagen wurde ich zur internationalen Fahndung ausgeschrieben und das Verfahren in der Ukraine wurde eingestellt. Niemand ermittelte. Die Prozessakten wurden meinen Anwälten bis heute nicht zur Verfügung gestellt. In der Ukraine wurde versucht, meine Frau zu töten; man versuchte sie zu entführen, und mein Schwiegervater wurde verschleppt, um meinen Aufenthaltsort zu erfahren. Sie haben das Strafverfahren komplett gefälscht.
Das ist die Situation – so hat sich mein Leben an einem einzigen Tag verändert.

Frage 7: Beweise an NABU, 40 Tage Auslieferungshaft in Österreich und neue Attentate

Serhiy Vahanyan über die Beweise an NABU, 40 Tage Auslieferungshaft in Österreich und neue Attentate:
"Nachdem ich die Ukraine verlassen hatte, hingen dieses Strafverfahren und die ständigen Drohungen wie ein Schatten über mir. Meine Familie und ich wurden permanent erpresst; man… pic.twitter.com/0w6RQ17pqE

— FoB Fass ohne Boden (@FassohneBoden) April 12, 2026

Alexander Surowiec:
Meine Damen und Herren, Sie haben es aus erster Hand gehört. Ich möchte nun fragen: Was geschah danach? Was haben Sie nach dieser Drohung und Ihrer Flucht mit dem Material gemacht? Wem haben Sie die Dokumente übergeben? Hat das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) das Material inzwischen erhalten – und wie sieht es mit dem FBI aus? Haben Sie das Material dem FBI übergeben oder nur dem NABU?

Serhiy Vahanyan:
Nachdem ich die Ukraine verlassen hatte, hingen dieses Strafverfahren und die ständigen Drohungen wie ein Schatten über mir. Meine Familie und ich wurden permanent erpresst; man sagte mir, man würde mich nicht in Ruhe lassen, man würde mich finden, mich liquidieren, mich ausliefern oder verhaften – und so weiter und so fort. Auf die rechtmäßigen Schritte meiner ukrainischen Anwälte reagierten die Behörden in keiner Weise. Sie setzten diese politisch motivierte Strafverfolgung einfach fort.
Ende 2022 wurde ich schließlich in Österreich von der Polizei festgenommen und verbrachte 40 Tage in sogenannter Auslieferungshaft. Die Ukraine legte jedoch keinerlei Dokumente vor, was die politische Motivation hinter meiner Verfolgung nur bestätigt. Ich weiß schlichtweg zu viel. Die wahre Ursache für meine Jagd ist das Kompromat und die Informationen, die ich über ihre korrupten Machenschaften besitze.
Nachdem meine Auslieferung abgelehnt wurde, hat die Staatsanwaltschaft der WKStA ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, um die Fakten zu untersuchen, die mir im ukrainischen Verfahren zur Last gelegt werden. Seit zwei Jahren liefert die Ukraine jedoch keine Dokumente. Sie sabotiert Rechtshilfeersuchen, schickt unvollständige oder fehlerhafte Daten und fälscht parallel dazu immer neue Verfahren gegen mich in der Ukraine. Soweit ich und mein österreichischer Anwalt wissen, soll die Ukraine nun doch Originaldokumente vorlegen, damit wir hier in Österreich eine unabhängige Expertise erstellen können. Ich vertraue fest auf die unabhängige österreichische Justiz und bin dankbar für deren Objektivität, auch wenn ich davon ausgehe, dass die Ukraine den Prozess weiter verschleppen und sabotieren wird.
Ich habe mit meinen ukrainischen Anwälten bereits Gutachten zu den Dokumenten erstellen lassen, laut denen ich angeblich Kredite aufgenommen haben soll. Diese Expertisen bestätigen eindeutig, dass es nicht meine Unterschrift und nicht meine Handschrift ist. Dennoch hält das die ukrainischen Behörden nicht davon ab, mich weiter zu erpressen und politisch zu verfolgen.
In den letzten Jahren gab es zudem weitere Anschläge auf mein Leben. Am 18. Mai 2024 wurde mit Hilfe des ehemaligen Vorsitzenden des Verfassungsgerichts der Ukraine, Oleksandr Tupytskyi, im Auftrag des Präsidialamtes ein Attentat auf mich verübt. Im November 2025 stellte mir die Ukraine eine neue Beschuldigung zu: Ich soll angeblich im Jahr 2021 Waren im Wert von 23 Millionen Dollar nicht geliefert haben. Auch hierzu gab es in der Ukraine keinerlei Ermittlungsschritte. Ich weiß nicht, woher sie diese Kläger nehmen – ich kenne diese Leute nicht einmal.
Dass ich es in der Ukraine nach vier Jahren endlich geschafft habe, als Geschädigter in dem Fall anerkannt zu werden, in dem ich angeblich 5 Millionen Euro per Quittung genommen haben soll, ist ein Paradebeispiel dafür, wie in der Ukraine mit unliebsamen Personen abgerechnet wird.

Frage 8: Beweise an NABU & FBI – Selenskyj und sein Umfeld sind Kriminelle

Serhiy Vahanyan: Beweise an NABU & FBI – Selenskyj und sein Umfeld sind Kriminelle:
"Ich möchte zu dieser Frage noch zwei Punkte ergänzen. Nachdem mir im November die neuen Beschuldigungen zugestellt wurden und man begann, Durchsuchungen bei all meinen Leuten durchzuführen – bei… pic.twitter.com/Wj6ZSYAwEK

— FoB Fass ohne Boden (@FassohneBoden) April 12, 2026

Alexander Surowiec:
Das ist ein wichtiger Punkt. Ich möchte Sie dazu fragen: Über die Jahre stand das ukrainische Justizsystem immer wieder in der Kritik, und auch Sie kritisieren es aktuell. Wie funktioniert es Ihrer Meinung nach heute in der Praxis? Sie haben gerade die österreichische Justiz gelobt, aber blicken wir auf die Ukraine: Genießt das System dort das Vertrauen der Bevölkerung? Und ganz persönlich gefragt: Könnten Sie eine korrekte, faire Untersuchung oder überhaupt eine gerechte Behandlung erwarten, falls Sie jemals in die Ukraine zurückkehren würden?

Serhiy Vahanyan:
Ich möchte zu dieser Frage noch zwei Punkte ergänzen. Nachdem mir im November die neuen Beschuldigungen zugestellt wurden und man begann, Durchsuchungen bei all meinen Leuten durchzuführen – bei Bekannten, ehemaligen Verwandten und bei meiner Ex-Frau in der Ukraine –, blieb mir nichts anderes übrig, als den Weg an die Öffentlichkeit zu suchen. Ich musste Beweise für ihre Korruption vorlegen und aufzeigen, warum sie mich ohne jede Grundlage politisch und strafrechtlich verfolgen.
Ich sage offen, dass sie zusammen mit Präsident Zelenskyy Kriminelle sind und dass das ukrainische Korruptionssystem vollkommen verrottet ist. Das Justizsystem ist verrottet, die Strafverfolgungsbehörren sind verrottet. So etwas gibt es nirgendwo sonst in der zivilisierten Welt oder in Europa. Deshalb war ich gezwungen, Beweise vorzulegen, wenn auch zunächst nur teilweise.
Einen Teil dieser Beweise habe ich dem Nationalen Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) übergeben. Weitere Teilbeweise habe ich zudem per E-Mail an das FBI in den USA gesendet. Aktuell läuft in der Ukraine ein Strafverfahren auf Basis der von mir dargelegten Fakten über Korruption in den höchsten Machtzirkeln.
Es geht um Korruption im SBU, im Innenministerium und im Präsidialamt – im engsten Umkreis von Zelenskyy. Sie wissen, was im Land passiert, sie sehen, wie das Umfeld stiehlt, und sie lassen es zu. Europa hilft der Ukraine, die europäischen Steuerzahler geben ihr Geld für den Krieg und zur Unterstützung des Landes. Während Zelenskyy mit ausgestreckter Hand in ganz Europa um Geld bittet, stiehlt sein gesamtes Umfeld. Zu diesen Fakten führt das NABU derzeit Untersuchungen durch.

Frage 9: NABU & SAP werden von Selenskyjs engstem Umfeld sabotiert

Serhiy Vahanyan: NABU & SAP werden von Selenskyjs engstem Umfeld sabotiert:
"Wissen Sie, Reformen von NABU und SAP werden in der Ukraine zurzeit nur aus einem einzigen Grund diskutiert: Weil der Präsident und sein engstes Umfeld, die Geld stehlen, diese Organe vernichten wollen.… pic.twitter.com/K3X2rXdy5K

— FoB Fass ohne Boden (@FassohneBoden) April 12, 2026

Alexander Surowiec:
Zusammenfassend kommen wir nun direkt zu NABU und SAP. Sie haben das NABU bereits erwähnt, und auch die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) ist Teil wichtiger Reformprojekte und in diesem Fall von großer Bedeutung. Aber vertrauen Sie ihnen? Und wie laufen die Ermittlungen in Ihrem spezifischen Fall bisher ab, da sie ja erst in diesem Jahr begonnen haben? Was denken Sie darüber? Gibt es Hoffnung bei NABU und SAP in Bezug auf Unparteilichkeit, Schnelligkeit und eine konsequente Bestrafung der Verantwortlichen?

Serhiy Vahanyan:
Wissen Sie, Reformen von NABU und SAP werden in der Ukraine zurzeit nur aus einem einzigen Grund diskutiert: Weil der Präsident und sein engstes Umfeld, die Geld stehlen, diese Organe vernichten wollen. Nach dem Skandal um den Diebstahl europäischer Gelder im ukrainischen Energiesektor – dem ‚Tymur Mindich‘-Skandal – konnte der Präsidentenfreund Mindich die Ukraine ungehindert verlassen. Der Ermittler jedoch, der in seinem Fall ermittelte, wurde ins Gefängnis gesteckt. Für die zivilisierte Welt ist das ein absolutes Unding.
Ich bin der Meinung, dass die ukrainische Regierung das NABU und die SAP daran hindert, ihre Arbeit zu tun. Würde die Regierung sie nicht behindern, säßen 99 % unserer Regierung in der Ukraine bereits im Gefängnis. Was meinen Fall betrifft: Ich habe die Unterlagen übergeben und hoffe sehr auf eine objektive Untersuchung. Ich weiß, dass man das NABU und die SAP bei ihrer Arbeit behindert und dass sie unter Druck gesetzt werden. Ich nehme an den Vernehmungen teil und bin bereit, weiteres Material zu liefern.
Ich bin für eine unabhängige, zivilisierte Untersuchung. Ich möchte, dass die Schuldigen nach dem Gesetz der Ukraine bestraft werden – ungeachtet dessen, dass sie versucht haben, mich zu töten oder ins Gefängnis zu stecken, und ungeachtet dessen, dass sie mich bis heute illegal verfolgen. Ich möchte eine gerechte und zivilisierte Aufarbeitung. Meiner Meinung nach sind dies derzeit die einzigen Organe in der Ukraine, die versuchen, die Korruption im Präsidialamt und im engsten Umkreis des Präsidenten zu bekämpfen.
Ich hoffe, dass es bald zu offiziellen Beschuldigungen und gerechten Gerichtsurteilen kommen wird. Ich bin bereit, darüber öffentlich zu sprechen – vor ganz Europa. Ich bin bereit, Beweise zu liefern, denn ich möchte an meinem Beispiel zeigen, wie das Korruptionssystem in der Ukraine funktioniert. Und ich sage das nicht nur so, sondern ich untermauere es mit konkreten Beweisen.

Frage 10: Naumov hat weiter Einfluss – Strafanzeige in Österreich und aktuelle Bedrohungen

Serhiy Vahanyan: Naumov hat weiter Einfluss – Strafanzeige in Österreich und aktuelle Bedrohungen:
"Ja, ich befinde mich in Gefahr, wenn auch in relativer Sicherheit.
Warum ich mich im Jahr 2026 an die Öffentlichkeit gewandt habe? Erstens: Ende 2025 wurde mir eine neue… pic.twitter.com/7y1QH28tJt

— FoB Fass ohne Boden (@FassohneBoden) April 12, 2026

Alexander Surowiec:
Das ist also ein System. Naumov stand im Fokus, was bedeutet, dass dieses System bis heute existiert. Was bedeutet das für die heutige Situation? Hat Naumov immer noch Einfluss in der Ukraine? Und hier in Österreich haben Sie ja eine Strafanzeige gegen ihn erstattet. Wie haben die österreichischen Behörden, wie etwa die WKStA, darauf reagiert? Und können Sie uns sagen, wie schnell und professionell die Situation hier gehandhabt wurde? Ja. Und nun zu Ihrer persönlichen Sicherheit und den Drohungen. Warum gehen Sie gerade jetzt, Anfang 2026, mit all dem an die Öffentlichkeit? Was hat Sie dazu bewogen? Und wie gehen Sie heute mit Ihrer eigenen Sicherheit um, besonders hier in Österreich, nachdem Sie über die Attentatsversuche gesprochen haben?

Serhiy Vahanyan:
Ja, ich befinde mich in Gefahr, wenn auch in relativer Sicherheit. Warum ich mich im Jahr 2026 an die Öffentlichkeit gewandt habe? Erstens: Ende 2025 wurde mir eine neue Beschuldigung zugestellt. Man hat mir nicht erlaubt, an den Gerichtsverhandlungen über meine Untersuchungshaft teilzunehmen. Die Drohungen begannen erneut. Ich wiederhole: Das geschah alles, nachdem ich in der Ukraine in dem Fall als Geschädigter anerkannt wurde, in dem es um die angebliche Unterschlagung von 5 Millionen Euro ging.
Mir wurde klar, dass sie nicht aufhören werden – weder der SBU noch das Präsidialamt oder die Generalstaatsanwaltschaft. Ich habe Aufnahmen veröffentlicht, in denen mir gedroht wird und man mir sagt, der Generalstaatsanwalt persönlich habe den Befehl gegeben, mich einzusperren. Ich weiß, dass man mich entführen wollte. Mir blieb nichts anderes übrig, als die Öffentlichkeit zu suchen und diesen gesamten korrupten, rechtlichen Wahnsinn offenzulegen – erst in der Ukraine und nun mit Ihrer Hilfe in Europa.
Präsident Zelenskyy und sein Umfeld haben schlichtweg die Strategie des Schweigens gewählt. Dies ist ein gewaltiger Korruptionsskandal in der Ukraine, doch er schweigt und reagiert nicht, obwohl er mir persönlich im April 2022 eine objektive Untersuchung versprochen hatte. Heute gibt es keinerlei Reaktion. Nach meinen Interviews im Januar weiß ich, dass eine Spezialeinheit aus der Ukraine hierhergeschickt wurde, um mich zu entführen und in die Ukraine zu verschleppen. Ich stehe rund um die Uhr, 24/7, unter Bewachung. Ja, ich bin in Gefahr. Ich habe gemeinsam mit meinen Anwälten die Polizeidirektion darüber informiert. Ich hoffe, dass Österreich mich schützen kann.

Frage 11: Abschlussbotschaft an die Ukraine – Hört auf zu schweigen

Serhiy Vahanyan’s Abschlussbotschaft an die Ukraine: Hört auf zu schweigen:
"Wissen Sie, ich hoffe, dass diese Geschichte gerecht und nach dem Gesetz endet. Ich hoffe, dass die Menschen aus dem engsten Umfeld von Präsident Selenskyj eine gerechte Strafe erhalten.
Ich hoffe und… pic.twitter.com/zzwmJldfFE

— FoB Fass ohne Boden (@FassohneBoden) April 12, 2026

Alexander Surowiec:
Meine Damen und Herren, eine wirklich unglaubliche Geschichte. Was ich nun von Ihnen möchte: Bitte blicken Sie direkt in die Kamera. Was erhoffen Sie sich und wie wird diese Geschichte am Ende ausgehen? Welche Botschaft möchten Sie Ihren ukrainischen Mitbürgern mit auf den Weg geben?

Serhiy Vahanyan:
Wissen Sie, ich hoffe, dass diese Geschichte gerecht und nach dem Gesetz endet. Ich hoffe, dass die Menschen aus dem engsten Umfeld von Präsident Zelenskyy eine gerechte Strafe erhalten. Ich hoffe und glaube fest daran, dass niemand die Untersuchungen des NABU und der SAP zu den Korruptionssystemen in Zelenskyys unmittelbarem Umkreis behindern wird. Ich hoffe zudem, dass meine Zusammenarbeit mit diesen Behörden sowie mit europäischen Organen bei der Untersuchung der Strafsachen – sowohl gegen mich als auch gegen diese Leute – objektiv sein wird und zu gerechten Urteilen führt.
Ich hoffe, dass diese kriminelle Macht, die derzeit die Ukraine im Griff hat und die europäische sowie amerikanische Hilfe stiehlt, ihre gerechte Strafe erfährt. Meinen Landsleuten möchte ich natürlich nur eines wünschen: dass sie aufhören zu schweigen. Denn Fälle wie meinen gibt es hunderte, ja tausende in der Ukraine. Auch sie werden, genau wie ich, unrechtmäßig verfolgt, weil diese Leute momentan die Macht haben.
Ich betone noch einmal: Ich bin bereit, die Wahrheit zu sagen. Ich bin bereit, Informationen zu teilen, auszusagen und meine Unschuld zu beweisen. Ich möchte, dass die ganze Welt sieht, wie das korrupte Strafverfolgungssystem in der Ukraine in Wirklichkeit aussieht.
Vielen Dank.

Die andere Sicht: Fass ohne Boden hat sowohl das Präsidentenbüro von Präsident Wolodymyr Zelenskyy als auch die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine offiziell und schriftlich konfrontiert. In zwei detaillierten Anfragen, die gestern versendet wurden, ersuchten wir um eine klare Stellungnahme zu den Vorwürfen von Serhiy Vahanyan.

  • Außerdem wird das Präsidentenbüro direkt gefragt, ob Zelenskyy persönlich mit Vahanyan telefoniert und eine Untersuchung zugesagt hat – und was daraus geworden ist.
  • Welche Ermittlungen führen NABU, SAP oder andere Behörden zu dem beschriebenen Erpressungssystem im SBU?
  • Welchen Stand haben diese Verfahren? Liegen der Staatsanwaltschaft die von Vahanyan übergebenen Foto- und Videobeweise vor und wurden sie geprüft?
  • Wurde gegen Ivan Bakanov oder Andriy Naumov bereits ein Verfahren eingeleitet?

Für alle im Artikel genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Glossar:

  • NABU: Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) wurde 2015 als zentrale Behörde gegründet. Es ist zuständig für die Verhinderung, Aufdeckung, Unterbindung, Untersuchung und Aufklärung von Korruptionsstraftaten hochrangiger Amtsträger, die eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellen.
  • SAP: Die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) ist eine unabhängige strukturelle Einheit der Generalstaatsanwaltschaft. Sie überwacht die Ermittlungen des NABU, führt die Anklage in Korruptionsverfahren und vertritt die Interessen des Staates oder der Bürger vor Gericht in korruptionsrelevanten Fällen.
  • SBU: Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) ist der zentrale Inlandsgeheimdienst und eine militärische Formation unter direkter Aufsicht des Präsidenten. Seine Hauptaufgaben umfassen die Spionageabwehr, die Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität sowie den Schutz der nationalen Souveränität, der Verfassungsordnung und der Staatsgeheimnisse.
  • Serhiy Vahanyan Serhiy Vahanyan ist ein ukrainischer Unternehmer aus dem Agrar- und Getreidesektor sowie der Medizintechnik. Seit Januar 2026 hat er öffentlich schwere Vorwürfe über ein systematisches Erpressungssystem innerhalb des SBU erhoben.
  • Wolodymyr Selenskyj Wolodymyr Selenskyj ist seit Mai 2019 Präsident der Ukraine. Der ehemalige Schauspieler und Komiker gewann die Wahl mit dem Versprechen, Korruption zu bekämpfen und die ukrainische Politik zu erneuern.
  • Ivan Bakanov war von 2019 bis Juli 2022 Leiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU). Er gilt als langjähriger enger Vertrauter und Freund von Präsident Wolodymyr Selenskyj aus gemeinsamen Zeiten in der Produktionsfirma Kvartal 95.
  • Andriy Naumov war unter Ivan Bakanov Leiter der Hauptabteilung für Innere Sicherheit des SBU und galt als dessen zentrale rechte Hand. Er wurde später mit Korruptions- und Amtsmissbrauchsvorwürfen konfrontiert und verließ die Ukraine.

Quellen:

  • FoB.at: Der korrupte ukrainische Geheimdienst
  • FoB.at: System der „SBU-Steuer“
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