In drei Sätzen: Nur 200 Zuhörer dürfen pro Auftritt des Kanzlers seinen Worten lauschen – und auch diese sind zuvor von einem Meinungsforschungsinstitut konkret ausgewählt worden: Christian Stocker (ÖVP) geht ab 16. Juli auf Sommertour und macht daraus eine vom Steuerzahler finanzierte Demokratie-Simulation. Nicht jeder aus dem „Pöbel“ darf einfach kommen und dem ÖVP-Chef Fragen stellen, nein: Wer zum Kanzler vorgelassen werden will, muss zuvor einen Daten-Striptease liefern und erfährt dann, ob er würdig für eine Audienz beim sommertourenden Kanzler sei.
Der Auslöser: Der bekannte österreichische Journalist Georg Renner hat in einem Podcast und auf X die doch etwas irritierenden Rahmenbedingungen der Sommertour von Christian Stocker aufgedeckt: „Man muss sich bewerben, wenn man bei diesen Sommertour-Gesprächen von Christian Stocker dabei sein will. Bewerben kann man sich unter oesterreich-im-gespraech.at.“ Organisiert und bezahlt werden die Veranstaltungen offenbar vom Kanzleramt und nicht von der ÖVP.
Wer sagt was: Georg Renner (Journalist): „Stocker ist eigentlich ÖVP-Chef, und das hat mich an dieser Nachricht ein bisschen gewundert, dass nicht die ÖVP diese Sommertour organisiert, sondern das Bundeskanzleramt. Das ist jetzt für wirkliche Politik-Nerds eine sehr, sehr interessante Unterscheidung, weil das Bundeskanzleramt und die Bundesministerien eigentlich keine Parteiarbeit machen dürfen.“
Das Sittenbild: Auch die Organisation der Sommertour des Kanzlers zeigt die Abgehobenheit der ganzen Bundesregierung – das Publikum Stockers wird gecastet, der ÖVP-Chef will offenbar hauptsächlich „ganz, ganz brave“ Zuhörer. Es wäre ja unerhört, wenn da zwei, drei FPÖ-nahe Österreicher im Publikum kritische Fragen zu einem möglichen Versagen des schwarzen Sonnenkönigs beim Stopp der Massenmigration, bei den seit Jahren versprochenen Abschiebungen oder im Kampf gegen die extreme Teuerung stellen würden. Mon dieu!
Warum das wichtig ist: Ein ÖVP-Politiker findet nichts dabei, sich auf Kosten seiner Dienststelle – des Kanzleramts – selbst mit einer Sommertour zu bewerben. Dabei will er aber gar nicht allzu sehr kritische Österreicher treffen, sondern lässt sein Publikum durch ein Meinungsforschungsinstitut Monate voraus auswählen. Dieser Kanzler wagt es also nicht mehr, einfach Mitmenschen zu treffen, die ihm ungefiltert ihre Meinung mitteilen. Stocker lässt sich eine Demokratie-Simulation organisieren, die vom Steuerzahler finanziert werden muss.

